Von Rudolf Merget

Ende März zeigt sich ein Schweifstern, der im Jahr 1661 schon einmal von der Erde aus zu sehen war.

Fünf Jahre nach Hale-Bopp wird nach Astronomenauskunft wieder eine Komet am Firmament erstrahlen. Ikeya- Zhang, keiner der brillantesten, aber einer der kuriosesten aus der Kategorie der Schweifsterne, macht Ende März seine Aufwartung am Abendhimmel. Im Laufe des Aprils tritt er morgens und abends in Erscheinung. Der Japaner Kaora Ikeya und Stunden später auch der Chinese Daqing Zhang - beide Amateurastronomen - haben den Himmelsvagabunden am 1. Februar im Sternbild Walfisch (Cetus) gefunden.

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Ikeya-Zhang - aufgenommen vom Joshua Tree National Park in der südkalifornischen Wüste um 19.20 Uhr abends am 15. März 2002 vom Hobbyastronomen Wally Pacholka. (© )

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Schon 1661

Der renommierte amerikanische Orbit-Spezialist Brian G. Marsden vom Smithsonian Observatory in Cambridge (Massachusetts) glaubt, dass Ikeya-Zhang der Wiederkehrer des 1661 von dem polnischen Astronomen Johannes Hevelius (1611-1683) beschriebenen Kometen ist. Ikeya-Zhang würde damit die längste Rückkehrperiode haben, die je bei einem Schweifstern registriert wurde.

Alle 400 bis 500 Jahre

Marsden hat sich auch Gedanken über die Frequenz der Umläufe von Ikeya-Zhang um die Sonne gemacht und meint, dass dieser Schweifstern alle 400 bis 500 Jahre im Inneren unseres Sonnensystems auftaucht.

Beim derzeitigen Umlauf erreichte der Komet seine größte Nähe zur Sonne am 18. März in einer Distanz von 76 Millionen Kilometern. Zum vergleich: Zwischen Erde und Sonne liegen 150 Millionen Kilometer. In der Nähe der Sonne lösen sich Staub und Gase aus einem Kometenkern und bilden den langen typischen Schweif.

Mit bloßem Auge zu erkennen

Auf seinem Rückweg ist Ikeya-Zhang von Ende März an nach Meinung vieler Astronomen von der Erde aus mit bloßen Auge zu erkennen. Mit dem Feldstecher ist er nach Auskunft der Vereinigung der Sternfreunde (Freiburg) bereits zu erkennen. Ende April wird er noch 60,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt sein.

Bis Anfang April soll der Komet nahe dem nord-nordwestlichen Horizont eine Stunde nach Sonnenuntergang zu sehen sein. Helles Mondlicht könnte die Beobachtung in der letzten Märzwoche trüben.

Nach der ersten Aprilwoche wird sich der Schweifstern auch am Morgenhimmel zeigen. Seine Helligkeit soll bis zur Größe 5 steigen. Das bedeutet: Koma und Schweif des verdampfenden Eiskerns sind mit dem bloßen Auge zu erkennen.

Helligkeitsprognosen bei Kometen sind allerdings manchmal unsicher, und auch der jetzige Gast hat bereits Schwankungen erkennen lassen.

Vom Rand des Sonnensystems

Die Heimat der schmutzigen Schneebälle, wie sie schon in den fünfziger Jahren von dem amerikanischen Forscher Fred Whipple getauft wurden, liegt am Rande und auch weit außerhalb unseres Sonnensystems.

In dieser fernen kosmischen Tiefkühltruhe ist nach Meinung der Wissenschaftler die Geschichte unseres Sonnensystems vom Anfang seines Entstehens eingeschlossen. Und das höchste Interesse der Forscher gilt diesen Zeugen der Vergangenheit, wenn sie durch das Innere des Sonnenkarussells fliegen.

(sueddeutsche.de/dpa)

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