Weltmeere Todeszonen breiten sich aus

Kieler Forscher warnen vor einem zunehmenden Sauerstoffmangel in den Weltmeeren. Aufgrund der CO2-Emissionen könnten sich die Todeszonen um bis zu 50 Prozent ausweiten.

Die Todeszonen in den Weltmeeren werden deutlich wachsen, wenn der Mensch weiter ungedrosselt Treibhausgase in die Atmosphäre bläst.

Regionen mit sehr geringem Sauerstoff sind violett gekennzeichnet. Betroffen sind überwiegend die Tropen.

(Foto: Grafi: IFM-GEOMAR)

Zu diesem Schluss kommt eine Modellrechnung Kieler Forscher um Andreas Oschlies vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).

"Unsere Untersuchungen zeigen eine Ausbreitung der Zonen mit sauerstoffarmem Wasser um bis zu 50 Prozent bis zum Ende dieses Jahrhunderts", berichten Oschlies und seine Kollegen, deren Prognose im Fachjournal Global Biogeochemical Cycles (Bd. 22, S. GB4008) vorstellt wird.

"Wir waren von der Deutlichkeit des Signals doch etwas überrascht", erklärte der Wissenschaftler. "Wir haben in unseren Rechnungen zwar angenommen, dass die Menschen so weiter machen wie bisher, trotzdem hätten wir diesen Effekt nicht in diesem Umfang erwartet".

Ursache ist der Studie zufolge ein Düngereffekt des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) an der Meeresoberfläche. Das CO2 bewirkt nicht nur eine zunehmende Versauerung der Meere, sondern wird auch vom Plankton vermehrt aufgenommen. Sinken diese abgestorbenen Lebewesen in die Tiefe, verbraucht ihr Abbau viel Sauerstoff.

Die Zahl der sauerstoffarmen Todeszonen in den Ozeanen ist in den vergangenen Jahren beständig gestiegen.

Nach einer im August veröffentlichten Untersuchung gibt es inzwischen mehr als 400 dieser lebensfeindlichen Meeresgebiete, die zusammen eine Fläche von mehr als 245.000 Quadratkilometern haben, das entspricht etwa zwei Dritteln Deutschlands.

Oschlies und sein Team hatten ihr Klimamodell mit Daten gefüttert, die aus sogenannten Mesokosmen stammen - Versuchsanlagen, in denen der Einfluss des Kohlendioxids im Ozean simuliert wird.

"Unsere Kollegen sind im Moment mit dem Forschungsschiff Meteor vor der Küste Perus unterwegs, um im dortigen sauerstoffarmen Auftriebsgebiet wichtige Daten zu erheben", sagt Oschlies. Ein weiteres Team untersucht an Bord der Marias S. Merian die Verhältnisse vor der Küste Westafrikas.

Am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften wartet man nun auf die Ergebnisse, um ihre Modelle zu überprüfen und zu verbessern.