Weltklimarat IPCC "Verpflichtung zur Offenheit"

Eine Überprüfung des Weltklimarates zeigt: Der IPCC muss seine Arbeitsweise verändern. Doch es gibt keinen Grund für die oft überschäumenden Angriffe auf seine Ergebnisse.

Von Christopher Schrader

Mit einem Bericht, der am Montag in New York an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon übergeben wurde, endet zumindest formell eine Reihe von Affären um die Klimaforschung.

In dem 100-Seiten-langen Papier, das das in den Niederlanden ansässige Inter-Academy Council (IAC) angefertigt hat, äußern die Autoren Kritik an der Arbeitsweise des Weltklimarates IPCC, nehmen ihn aber zugleich gegen die oft überschäumenden Angriffe gegen seine Ergebnisse in Schutz.

"Die Arbeitsweise, mit der der IPCC seine periodischen Reports erstellt, ist insgesamt erfolgreich gewesen. Er ist eine soziale Innovation, aber er muss seine Management-Struktur fundamental ändern", sagte der Vorsitzender der Arbeitsgruppe, die den Weltklimarat durchleuchtet hat, Harold Shapiro von der Princeton University.

"Derart unter dem öffentlichen Mikroskop zu arbeiten, erfordert eine starke Führung sowie eine Verpflichtung zur Offenheit, wenn die Reports des IPCC ihren Wert für die Gesellschaft behalten sollen."

Der Weltklimarat war Anfang dieses Jahres in die Kritik geraten: Zunächst stellte sich heraus, dass eine Vorhersage zur Zukunft der Gletscher im Himalaya falsch war. Es hieß dort, sie würden zum großen Teil bis zum Jahr 2035 abschmelzen. Für diese Aussage gab es aber nur schlechte Quellen, unter anderem Berichte der Umweltorganisation WWF.

Diese schienen auf Arbeiten eines russischen Forschers zu beruhen, der allerdings das Jahr 2350 genannt hatte. "In diesem Fall hat die Führung des IPCC einfach nicht aufmerksam genug zugehört. Viele Stimmen hatten vor der Veröffentlichung angemerkt, dass das nicht stimmen könne", sagte Shapiro in New York. "Das hat Beulen in der Glaubwürdigkeit des IPCC hinterlassen."

Solche und einige weitere Fehler und Unstimmigkeiten hatten die Vereinten Nationen im vergangenen März dazu bewogen, das Inter-Academy Council, einen Zusammenschluss von nationalen Akademien der Wissenschaften aus 15 Ländern, um eine Überprüfung des IPCC zu bitten. Zu der zwölfköpfigen Arbeitsgruppe, die Shapiro leitete, gehörte auch Ernst-Ludwig Winnacker, der ehemalige Leiter der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Europäischen Forschungsrates.

Die Aufgabe des Gremiums war allerdings nicht, die wissenschaftlichen Aussagen des Weltklimarates zu überprüfen; es diskutiert nur wenige Fehler konkret wie die Aussage über die Himalaya-Gletscher. Der eigentliche Fokus lag auf der Arbeitsweise des IPCC.

Hierzu nannte Shapiro in New York einige Empfehlungen. So soll die Führung des IPCC professionalisiert werden. Neben den ehrenamtlichen Vorsitzenden, zurzeit der indische Klimaforscher Rajendra Pachauri, solle ein hauptamtlicher Exekutiv-Direktor treten, der den Apparat des Weltklimarates in Genf leitet.

Zudem soll es ein ständiges Exekutivkomitee geben, dem auch externe Mitglieder angehören. Schließlich sollten die acht wichtigsten Posten im IPCC für jeden neuen Bericht, der etwa alle sechs Jahre erscheint und zuletzt 2007 herauskam, neu besetzt werden. Shapiro wollte das aber nicht als Kritik an Pachauri verstanden wissen, der seit 2002 im Amt ist.