Weltklimakonferenz US-Klimareport widerspricht Trump

Überschwemmung nach Hurrikan Irma in Florida. Wetter-Extreme wie diese sind dem Bericht zufolge auf den Klimawandel zurückzuführen.

(Foto: AFP)
  • US-Behörden haben einen umfassenden und sehr negativen Klimareport veröffentlicht.
  • Die Trump-Regierung hat den 2000 Seiten starken Bericht weder blockiert noch abgemildert, wie von Wissenschaftlern befürchtet.
  • Nach Auswertung Hunderter Studien gibt es für die globale Erwärmung keine "alternative Erklärung" als menschliche Aktivitäten.

Von Montag an kommen in Bonn 25 000 Teilnehmer aus aller Welt zusammen, um bei der Weltklimakonferenz über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu beraten. Kurz zuvor haben nun 13 US-Behörden einen Klimareport veröffentlicht, der nicht nur düstere Szenarien zum Klimawandel beinhaltet, sondern damit auch auf Konfrontationskurs zur offiziellen Position der US-Regierung geht. Trotzdem hat ihn US-Präsident Donald Trump, der den Klimawandel vor seiner Wahl wiederholt als "Erfindung" bezeichnet hat, weder blockiert noch entschärfen lassen - anders als von zahlreichen Wissenschaftlern befürchtet.

"Ich kann mit ziemlicher Überzeugung sagen, dass es keine politische Beeinflussung der wissenschaftlichen Schlussfolgerungen gegeben hat", zitierten die Washington Post und New York Times den leitenden Autoren der Studie, Wissenschaftler David Fahey von der US-Behörde für Ozeanographie. "Dieser Report sagt, was die Wissenschaftler wollen." Hintergrund dürfte wohl nicht nur die großangelegte Steuerreform sein, die Trump durch den Kongress bringen will und die ihn und seine Regierungsmannschaft derzeit mehr beschäftigt als das ohnehin eher stiefmütterlich behandelte Thema Klimaschutz.

"Das Klima hat sich geändert und ändert sich stets"

Die US-Regierung dürfte auch wenig Interesse daran haben, die Aufregung um den Report wiederzubeleben. Denn publik wurde der Bericht, demzufolge menschliche Aktivitäten "extrem wahrscheinlich" die Ursachen für die globale Erwärmung sind, bereits im August dieses Jahres. Die New York Times hatte den damals bereits im Netz verfügbaren Bericht auch auf ihrer Webseite als PDF eingebunden - auch wegen Befürchtungen von Autoren, dass der Bericht andernfalls abgeschwächt oder gar unterdrückt werden könnte. Erst kurz zuvor hatte die US-Regierung angekündigt, aus dem Pariser Klimaschutz-Abkommen aussteigen zu wollen.

US-Klimaforscher düpieren Trump

Ein von der US-Regierung noch zurückgehaltener Bericht zieht ein düsteres Fazit: Der Klimawandel hat auch in Amerika längst begonnen. Einige Autoren fürchten, dass ihre Erkenntnisse verwässert werden - und haben sie nun der Presse zugespielt. Von Marlene Weiß mehr ...

Nichtsdestotrotz kommentierte das Weiße Haus den Bericht und versuchte, seine Aussagekraft herunterzuspielen. "Das Klima hat sich geändert und ändert sich stets", hieß es in der schriftlichen Erklärung eines Sprechers, Raj Shah. Weiter wurde darauf hingewiesen, dass der Report selber betone, dass das Ausmaß des künftigen Klimawandels stark von "andauernden Ungewissheiten über die Sensibilität des Klimas" für Treibhausgas-Emissionen abhänge.

Wetterextreme und Meeresspiegelanstieg

Der Bericht, dessen Veröffentlichung alle vier Jahre gesetzlich vorgeschrieben ist, ist mit 2000 Seiten der umfangreichste globale Klimareport seit dem Bericht des Weltklimarats IPCC aus dem Jahr 2013. Die Autoren haben Hunderte in anerkannten Fachmagazinen erschienene Studien ausgewertet. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Der Meeresspiegel könnte bis zu 2,40 Meter bis zum Jahr 2100 steigen, seit 1880 ist er bereits um 23 Zentimeter angestiegen.
  • Die vergangenen 115 Jahre waren die wärmste Periode in der Geschichte der modernen Zivilisation.
  • Seit 1880 hat sich die Welt bereits um 0,9 Grad erwärmt und selbst mit einem sofortigen Stopp aller Emissionen wäre ein Temperaturanstieg von weiteren 0,3 Grad in diesem Jahrhundert nicht mehr zu vermeiden.
  • Dass menschliche Aktivitäten, insbesondere der Ausstoß von Treibhausgasen, die Ursache für die globale Erwärmung sind, ist "extrem wahrscheinlich", es gebe dafür "keine alternative Erklärung".
  • "Rekordbrechende Wetter-Extreme" der vergangenen Jahre werden auf das Klima zurückgeführt.
  • Weite Teile der USA sind bereits von Folgen des Klimawandels betroffen: der Westen durch extremere Hitze, Regenfälle und mehr große Waldbrände, der Südosten durch größere Dürre, der Mittlere Westen durch häufigere Überschwemmungen, Küstenstädte durch häufigere Überflutungen.
  • Noch nicht absehbare Entwicklungen könnten weitere radikale Veränderungen im Klimasystem bewirken.

Unmittelbar nach Veröffentlichung des Klimareports müssen sich die USA damit bei der internationalen Klimakonferenz erneut auf deutliche Kritik einstellen. Nicht nur wegen des angekündigten Austiegs aus dem Klimaabkommen, sondern auch weil Trump unter seinem demokratischen Vorgänger Barack Obama beschlossene Klimaschutzmaßnahmen zurückfährt.

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