Weltklimagipfel in Durban Spiel mit dem Globus

Auf der Weltklimakonferenz in Durban brechen die entscheidenden 36 Stunden an. Es ist völlig offen, ob der Gipfel zum Erfolg oder zum kompletten Scheitern führt. Den Ausschlag gibt, wie der Streit zwischen den Schwellenländern und den Industriestaaten ausgeht.

Von Michael Bauchmüller, Durban

Natürlich muss die Sonne untergehen im Hintergrund; eine Handvoll Erwachsene überreichen Kindern eine riesige Weltkugel, das Ganze im Dämmerlicht am Strand von Durban - mehr Symbolik geht nicht. Die Umweltorganisation WWF hat den Auftritt noch schnell organisiert, kurz vor den entscheidenden Stunden am UN-Weltklimagipfel. Kurz vorher hatte die - bisher nur wenigen Eingeweihten bekannte - Heiligkeit Shri Shri 1008 Soham Baba schon ein Bäumchen gepflanzt, gleich gegenüber dem Konferenzgebäude. "Die einfachste Formel, die Erderwärmung zu stoppen, ist Bäume zu pflanzen", sagt Seine Heiligkeit, die extra aus den Niederlanden angereist ist. Soll bloß keiner sagen, er hätte nicht gehandelt. Jedes Mittel ist recht, es steht viel auf dem Spiel.

Umweltaktivisten errichten ein Windrad in Durban. Ob all die Aktionen und Proteste von Umweltschützern Erfolg haben werden, ist noch offen.

(Foto: AFP)

Von diesem Donnerstag an bleiben noch gut 36 Stunden, um diese Klimakonferenz entweder zum Erfolg oder zum völligen Scheitern zu führen. Beides ist gleichermaßen möglich, beides hängt von ein und derselben Frage ab: Nehmen die Staaten noch einen Anlauf auf ein globales Klimaabkommen oder nicht? Selten hat sich eine Klimakonferenz derart auf einen einzigen, derart entscheidenden Streitpunkt zugespitzt. "Entweder hier bildet sich jetzt eine Allianz der Willigen, oder der Klimagipfel ist gescheitert", sagt Christoph Bals, Klimaexperte bei Germanwatch.

Die Gemengelage ist schwierig. Denn an einem solchen Abkommen müssten sich China, Brasilien und Indien beteiligen. Doch bisher sehen diese Schwellenländer die Verantwortung vor allem bei den Industriestaaten des Nordens - schließlich haben die mit ihren Kohlendioxid-Emissionen den Treibhauseffekt erst ausgelöst. Diese Industriestaaten, allen voran die EU, sehen wiederum künftig auch Länder wie China und Brasilien in der Pflicht. Denn allein China stößt mittlerweile mehr als acht Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus, ein Viertel der globalen Emissionen. Es sind die Ingredienzen für ein verhängnisvolles Patt - das letztlich auch die Klimakonferenz in Kopenhagen vor zwei Jahren scheitern ließ.

Jetzt aber drängt die Zeit. Im nächsten Jahr endet das Kyoto-Protokoll, die derzeit einzige Übereinkunft zum Klimaschutz. 37 Industrieländer hatten sich darin verpflichtet, ihre Emissionen im Vergleich zu 1990 um gut sechs Prozent zu mindern. Doch die meisten Industrieländer wollen nur weitermachen, wenn auch große Schwellenländer sich auf ein neues Klimaabkommen einlassen, auszuhandeln in den nächsten Jahren. "Die Gespräche kreisen um genau diesen Punkt", sagt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). "Um die Verbindung von Kyoto-Protokoll und Konvention." Jener Klimarahmenkonvention also, die auch den Rahmen eines neuen Abkommens bilden soll. Mit anderen Worten: Es gibt Fortschritte in beiden Fragen - oder in keiner.

Das Spiel eröffnet haben zu Beginn der Woche die Chinesen. Erst lud Chef-Unterhändler Xie Zhenhua Umweltschützer zum vertraulichen Gespräch, dann trat er vor die Presse. Die Botschaft: Peking sei bereit zu einem rechtlich verbindlichen Abkommen, das 2020 in Kraft treten könne. Seither aber schweigt die chinesische Delegation, nun fällt auch mal das Wörtchen "vielleicht" im Zusammenhang mit dem Angebot - und alle Welt rätselt über die wahren Interessen. Will Peking am Ende nur den Schwarzen Peter loswerden? In Kopenhagen noch galt China als der Sündenbock. Damals zählte Ministerpräsident Wen Jiabao zu den Hardlinern, die einen Erfolg der Konferenz verhinderten. Diesmal lockt China mit Offenheit - und stellt Bedingungen. Die wichtigste: die Verlängerung des Kyoto-Protokolls.