Von Stefan Ulrich

Schon lange haben sich die Vereinten Nationen eine nachhaltige Hungerbekämpfung zum Ziel gesetzt - geschehen ist wenig. Beim Gipfeltreffen in Italien geht es darum, den Darbenden endlich mehr als Versprechen zu bieten.

Hans-Heinrich Wrede spricht von einem "deprimierenden Déjà-vu-Erlebnis": Als er von 1979 bis 1982 an der deutschen Botschaft in Addis Abeba arbeitete, lernte er einige hausgemachte Gründe für den Hunger in Äthiopien kennen. Das Land war schlecht auf die extreme Dürre und den starken Regen vorbereitet. Es fehlte an befestigten Straßen, um Nahrungsmittel schnell zu den ausgezehrten Menschen zu bringen.

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Schwere Last: Arbeiter transportieren in einem Lagerhaus in der philippinischen Hauptstand Manila Reissäcke (© Foto: Reuters)

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Heute ist Wrede der deutsche Botschafter bei der Welternährungsorganisation FAO in Rom - und er bekommt wieder die Berichte aus Äthiopien auf den Tisch. "Da denke ich mir oft: Das habe ich doch alles schon einmal gelesen. In einem Viertel Jahrhundert hat sich nichts gebessert."

Ähnliche Déjà-vu-Erlebnisse wird auch die Weltöffentlichkeit haben, wenn es um das Thema Nahrung geht. Hat es nicht etliche feierliche Versprechen der Staatengemeinschaft gegeben, den Hunger zu bekämpfen und die Zahl der Darbenden zumindest zu halbieren? Und was geschah? Die Zahl stagnierte oder stieg an. "Heute leiden etwa 860 Millionen Menschen an Hunger und Mangelernährungen", musste Jacques Diouf, der Generaldirektor der FAO, gerade bekanntgeben.

Die drastischen Preissteigerungen bei Reis, Weizen, Gemüse, Fleisch und anderen Lebensmitteln in den vergangenen Monaten haben die Lage verschärft. Die in Rom ansässige FAO fürchtet, dass künftig weitere hundert Millionen Menschen hungern müssen. 22 Staaten sind besonders betroffen, darunter Eritrea, Nordkorea und Haiti.

Hoffnung soll nun ein Gipfeltreffen bringen. Vom Dienstag bis Donnerstag kommen am Sitz der FAO in der Nähe des Zirkus Maximus Dutzende Staats- und Regierungschefs und mehr als hundert Fachminister zusammen, um Strategien gegen den Hunger zu entwickeln.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wird ebenso dabei sein wie der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der Brasilianer Ignácio Lula da Silva, der Ägypter Hosni Mubarak und Mahmud Ahmadinedschad aus Iran. Zudem wird die Weltbank mitwirken.

Das klingt nach einer Show-Veranstaltung zur Beruhigung des Weltgewissens. Wrede aber ist sicher, dass mehr daraus wird. So werde UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Dienstag erstmals einen konkreten Aktionsplan gegen die Hungerkrise vorstellen, der das gesamte UN-System einbezieht. Außerdem wollen sich die reicheren Staaten zu Hilfszahlungen verpflichten. So kann das World Food Program (WFP) schon jetzt mit mehr als den geforderten 755 Millionen Dollar für kurzfristige Hilfe rechnen.

Die FAO hofft zudem auf 1,7 Milliarden Dollar für langfristige Projekte. Das Geld soll an Landwirte in der Dritten Welt gehen, damit sie mehr produzieren können. In der Entwicklungspolitik wurde das Thema Landwirtschaft lange vernachlässigt, kritisieren die Vereinten Nationen. Die FAO ermahnt die Geber- und Nehmerländer deswegen seit Jahren.

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