Weltbank-Bericht Wetterextreme drohen Normalität zu werden

Extreme Wetterphänomene bald Normalität? Der Tropensturm Fung-Wong setzte Manila im September unter Wasser.

(Foto: AFP)
  • Wetterextreme könnten zur Normalität werden, warnt ein Bericht, den das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) für die Weltbank erstellt hat.
  • Der Klimawandel trifft vor allem Menschen in Regionen, die ohnehin unter Armut leiden.
  • Bereits jetzt seien einige Folgen der Erderwärmung wohl schon unumkehrbar, heißt es.
  • Um eine weitere dramatische Entwicklung abzuwenden, fordert der Weltbank-Bericht entschlossenes Handeln.

Extreme als neue Normalität

Hitzewellen und andere extreme Klimaphänomene, die bislang vielleicht einmal in hundert Jahren auftreten, könnten die "neue Klimanormalität" werden, warnt die Weltbank in einem vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erstellten Bericht. Dies könne zu wachsenden Risiken und größerer Instabilität führen.

Denn die Folgen wären schwerwiegend: Ernteerträge würden zurückgehen, Wasserressourcen würden sich verschieben, die Meeresspiegel ansteigen - das Leben von Millionen Menschen wäre gefährdet, heißt es in dem am Sonntag veröffentlichten Berich mit dem Titel "Die Hitze runterdrehen - Der neuen Klimanormalität ins Auge sehen".

Klimawandel trifft vor allem die Armen

Die Experten warnen, dass der Klimawandel vor allem für die Menschen in ärmeren Regionen der Welt eine Bedrohung darstelle. Die Folgen der Erderwärmung würden in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich "vor allem die treffen, die am wenigsten zum Anstieg der Treibhausgas-Emissionen beigetragen haben: die Armen der Welt", sagte Hans Joachim Schnellnhuber vom Postdam-Institut.

Je länger wir warten, desto teurer wird es

Wetterextreme, abschmelzende Gletscher, Anstieg des Meeresspiegels: Die Folgen der Erderwärmung sind schon jetzt zu spüren. Richtig wehtun werden sie aber erst jenen, für die wir angeblich immer nur das Beste wollen: unseren Kindern. Und doch delegieren wir die Verantwortung an die Politik. Ein Gastbeitrag von Hans Joachim Schellnhuber mehr ... Gastbeitrag

Die Klimaveränderungen machten es schwieriger, Armut zu bekämpfen, stellte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim fest. Dem Bericht zufolge werden vor allem die Länder in den Tropen die Folgen der Erderwärmung zu spüren bekommen. In diesen Ländern seien es wiederum die ärmsten Menschen, die besonders anfällig für zusätzliche Belastungen sind.

Einige Klimawandelfolgen wohl unumkehrbar

Einige Folgen des Klimawandels wie Hitzewellen und ein Anstieg des Meeresspiegels lassen sich nach Einschätzung des Berichts wohl nicht mehr aufhalten. Das sei selbst dann der Fall, wenn die Regierungen schnell genug handelten, um ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken, sagte Kim am Sonntag in einer Telefonkonferenz.

Aus Sündern werden Sieger

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Die neuen Erkenntnisse seien alarmierend. Demnach wird unter anderem der Meeresspiegel in den kommenden Jahrhunderten stetig ansteigen. Die Temperaturen seien im Schnitt bereits um etwa 0,8 Grad seit der Industriellen Revolution geklettert. Frühere Emissionen hätten in Sachen Erderwärmung für die kommenden zwei Dekaden einen unvermeidbaren Kurs gesetzt, teilte Kim mit. "Schon jetzt sehen wir, dass Rekordtemperaturen häufiger auftreten, sich die Regenmenge an einigen Orten erhöht und Dürre-anfällige Regionen wie der Mittelmeeerraum trockener werden."

Experten fordern entschlossenes Handeln

Der Bericht mahnt zu entschlossenen Anstrengungen, um eine Erwärmung um bis zu vier Grad noch in diesem Jahrhundert im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu vermeiden. Der Agentur Bloomberg zufolge lobte Kim in dem Zusammenhang das Abkommen, das die USA und China nach Jahren der Blockade geschlossen hatten. "Es gibt jetzt sehr viel mehr Optimismus als vor dem Abkommen, aber es gibt immer noch ungeheuer viel zu tun", sagte er demnach.

Beim UN-Klimagipfel Ende 2015 in Paris soll ein neues bindendes Abkommen für die Zeit nach 2020 erreicht werden, um die Erderwärmung unter der kritischen Grenze von zwei Grad zu halten.