Welt-Wasser-Forum Der erschöpfte Planet

Die eine Hälfte der Menschheit hat kein oder kaum sauberes Wasser. Die anderen Milliarden Menschen verbrauchen inzwischen offenbar mehr als nachfließt. Und warum Deutschland beim Thema Trinkwasser zu den Glücklichen des Planeten gehört.

Von Richard Friebe

Es ist, als hätte jemand eine riesige Dusche aufgedreht. Von einer Sekunde auf die andere steht man vom lauwarmen Regen völlig durchnässt auf der Straße, ein paar Minuten später steht das Wasser knöchelhoch.

China hat im Februar den Wassernostand ausgerufen. Wegen anhaltender Dürre haben es nicht nur Bauern zunehmen schwer, genügend Wasser zu finden.

(Foto: Foto: Reuters)

Alle Taxis sind sofort besetzt. Es ist Februar, Hochsommer in São Paulo, es regnet fast täglich und immer heftig. Die Stadt scheint in diesen Momenten zu ertrinken.

Wenn es Bewohnern der brasilianischen Metropole auch an vielem mangelt, Wasser dürften sie, so denkt man nach einem solchen Regenguss, wohl genug haben. Doch so absurd es klingt: São Paulo leidet an Wassermangel, es muss aus der Nachbarregion importiert werden.

Die wiederum braucht selbst immer mehr, um Campinas, die stetig wachsende drittgrößte Stadt des Bundesstaates, zu versorgen. Ähnliche Verhältnisse herrschen auch weit außerhalb der Tropen: Der Süden Englands mit seinem notorisch feuchten Wetter ist beispielsweise nach Kriterien der Weltbank eine Region mit akutem Wassermangel.

Wo viele Menschen wohnen, ist Wasser fast immer knapp. Insgesamt übersteigt die Nachfrage weltweit inzwischen deutlich die Menge, die aus sich natürlich erneuernden Quellen, gedeckt werden kann. Wasserexperten haben darum "Peak Water" ausgerufen - in Analogie zu dem auf das Erdöl gemünzten Begriff aus der Energiewirtschaft.

Dort beschreibt "Peak Oil" den Punkt, an dem die wachsende Nachfrage nach Erdöl die Fördermenge übersteigt. Beim Wasser war der Verbrauch noch nie so hoch wie heute, warnt ein Bericht der Vereinten Nationen im Hinblick auf das Welt-Wasser-Forum, das am Montag in Istanbul begonnen hat.

In Gegenden die, anders als London oder São Paulo, gleichzeitig auch noch wenig Niederschlag abbekommen, hat sich das Problem längst zur echten Wasserkrise ausgewachsen.

Im Norden Chinas verbrauchen die intensivierte Landwirtschaft, die florierende Industrie und eine Bevölkerung, deren wachsender Wohlstand die Ansprüche steigert, mehr Wasser, als die Natur nachliefern kann. In Indien werden gigantische Kanalprojekte diskutiert, um die Knappheit in weiten Teilen des Landes zu bekämpfen. In Spanien stellt man sich auf die Verwüstung weiter Gebiete ein.

Sinkende Niederschläge

Ohnehin eher trockene Länder wie Australien oder Äthiopien litten im vergangenen Jahr unter extremer Dürre. Und die Prognosen sehen dort weiter sinkende Niederschläge voraus. Wie genau sich das Klima und damit die Wassersituation wo auf der Erde entwickeln wird, weiß niemand, sagt Malin Falkenmark, Hydrologin am Stockholm International Water Institute.

Doch ihrer Meinung nach muss man sich vielerorts darauf einstellen, dass deutlich weniger Wasser zur Verfügung stehen wird als heute.