Von Nina von Hardenberg

Aids breitet sich trotz aller Bemühungen in dramatischem Tempo weiter aus. Die Immunschwäche-Krankheit bleibt "weltweit die größte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit".

Trotz aller Mühen im Kampf gegen Aids breitet sich die Immunschwäche-Krankheit weltweit in dramatischem Tempo weiter aus. 2,5 Millionen Menschen steckten sich 2007 neu mit dem Erreger an, mehr als zwei Millionen starben an der Krankheit. Aids bleibe "weltweit die größte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit", heißt es in einer Analyse des Robert-Koch-Instituts.

Welt-Aids-Tag

Eine HIV-Patientin in Indien. (© Foto: Reuters)

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Allerdings entwickelt sich die HIV-Epidemie auf der Welt sehr unterschiedlich: Während einige Länder gute Fortschritte in der Therapie und Prävention der Krankheit machen und die Ausbreitung zum Teil sehr erfolgreich eindämmen, ist die Aidsbekämpfung in anderen Ländern immer noch ein Tabu.

Nirgendwo auf der Welt leben so viele Menschen mit dem HI-Virus wie im südlichen Afrika. Nach Angaben des Aids-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS) sind dort inzwischen 22,5 Millionen Menschen betroffen.

Etwa drei Viertel der weltweiten Todesfälle treten in dieser Region auf. Doch auch in Osteuropa und Asien breitet sich das Virus in dramatischem Tempo aus. Wird Aids in Afrika vor allem durch Geschlechtsverkehr unter Heterosexuellen verbreitet, so stecken sich die meisten Infizierten in Osteuropa und Zentralasien im Drogenmilieu an - über unsaubere Spritzen.

In Osteuropa ist die Zahl der Menschen, die mit HIV leben, seit 2001 um 150 Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind dabei Russland und die Ukraine, die für ihre wenig fortschrittliche Drogenpolitik bekannt sind. "Das Problem in der Ukraine ist, dass die Politik sehr hart gegen Rauschgiftsüchtige vorgeht und ihnen keinerlei Hilfen anbietet", sagt Osamah Hamouda, Leiter der Fachgruppe Aids/HIV am Robert-Koch-Institut.

Es gebe praktisch keine Programme zum Spritzentausch. War die Krankheit anfangs noch auf das Drogenmilieu begrenzt, so breitete sie sich in den vergangenen Jahren über ungeschützten Sex auch in der weiteren Bevölkerung aus. Die ukrainische Regierung hat das Problem jahrelang totgeschwiegen, nur einige internationale Organisationen bemühten sich um Aufklärung. So fördert zum Beispiel die Bundesregierung ein Projekt der kontrollierten Medikamentenabgabe an HIV-Infizierte in der Ukraine.

Inzwischen scheint jedoch auch bei ukrainischen Politikern ein Umdenken einzusetzen. Im September unterzeichneten Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und ihr ukrainischer Kollege in Kiew eine gemeinsame Erklärung zur Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Die Bundesregierung wird von 2008 an Fördergelder zur Verfügung stellen. Die Bekämpfung von HIV sowie von Drogen- und Suchtproblemen werde ein Schwerpunkt des künftigen Erfahrungsaustausches sein, verkündete Schmidt.

Starker Anstieg der Infektionszahlen in Asien

Auch in Asien steigt die Zahl der HIV-Kranken vergleichsweise schnell. 2007 gab es ein fünftel mehr HIV-Infizierte als noch 2001. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Besonders schnell breitete sich die Krankheit in Indonesien und Vietnam aus. Birma, Thailand und Kambodscha konnten das Virus sogar etwas eindämmen.

Die Schätzungen für Indien wurden nach unten korrigiert. Trotzdem lebten dort 2006 immerhin 2,5 Millionen Menschen mit dem Virus. Ähnlich wie in Osteuropa verbreitet sich die Krankheit auch in Asien vor allem über das Drogenmilieu sowie über Prostitution.

Vergleichsweise positiv ist die Entwicklung in den USA und in Europa. Dank guter Medikamente leben Aidskranke hier inzwischen wesentlich länger. Dies führt dazu, dass die Zahl der Menschen, die den HI-Virus in sich tragen insgesamt gestiegen ist. Während in den USA aber auch die Zahl der Neuinfektionen stabil ist, stecken sich in Europa seit 2001 jedes Jahr wieder mehr Menschen mit dem HI-Virus an.

Die positiven Berichte über die bessere Behandelbarkeit der Krankheit könnten zu einem neuen Leichtsinn im Umgang mit der Infektionsgefahr geführt haben, vermuten Experten. So zeigen Studien, dass vor allem Homosexuelle beim Sex wieder öfter auf Kondome verzichten. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts Reinhard Kurth warnte darum kürzlich in Berlin: "Trotz der modernen Medikamente ist noch niemand von HIV geheilt worden."

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(SZ vom 1.12.2007/mcs)