An der Außenhaut und in den Ballasttanks von Schiffen schmuggeln sich standortfremde Tiere ins Watt. "Faunen-Verfälschung" sagen Fachleute dazu. Das Problem ist zwar "seit Kolumbus bekannt", wie Koßmagk-Stephan sagt, aber der wachsende Schiffsverkehr hat es vergrößert.
Ein Krabbenkutter vor der Hallig Langeneß. Das Wattenmeer soll Weltnaturerbe werden. (© Foto: dpa)
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In Nordfriesland ist sogar eine Austernart heimisch geworden, die die Bezeichnung "Pazifisch" trägt. Weil im Schlick keine Fressfeinde auf sie lauern, verdrängt sie die heimische Miesmuschel. Eiderenten schlucken diese Miesmuschel, um sie dann mit ihren muskulösen Mägen aufzuknacken. Die Schale der Auster aber ist derart hart, dass auch Eiderentenmägen sie nicht aufbekommen.
Beim Reizthema "Klimawandel" bleibt Klaus Koßmagk-Stephan außergewöhnlich ruhig. "Es gibt schließlich auch einen natürlichen Klimawandel", sagt er. Menschen beschleunigen diesen Prozess allerdings. "Das kommt bei Tieren und Pflanzen als Stress an", sagt der Nationalpark-Mann. "Organismen brauchen jedoch Zeit, um sich Veränderungen anzupassen." Koßmagk-Stephan hält inne und berichtigt sich dann: "Eigentlich passen sie sich nicht an. Korrekt muss es heißen: Sie werden angepasst."
Militärjets feuern nicht mehr ins Watt
Aus dem Wattenmeer dringen aber auch gute Nachrichten. So ist die Nordsee viel sauberer als vor 20 Jahren. 1987 hatten die Anrainer-Staaten unter anderem beschlossen, die Menge der Schadstoffe innerhalb von zehn Jahren zu halbieren. "Im Großen und Ganzen ist das eingehalten worden", sagt Koßmagk-Stephan.
Nun gibt es eine Chance, dass das einzigartige Ökosystem erhalten bleibt. Sollte das Unesco-Komitee das Wattenmeer tatsächlich zum Welterbe erklären, müssen sich die Anrainer zum Schutz des Gebietes verpflichten.
Eine Belastung des Wattenmeers ist quasi von selbst verschwunden, als der Warschauer Pakt zerbrach. Seitdem feuern keine deutschen Militärjets mehr mit Übungsmunition auf Schlickwatt, Sandwatt und Salzwiesen, auf Halligflieder-Spitzmausrüsselkäfer und Strandwegerich-Gallrüsselkäferlarvenwespe. Und auch der Knutt hat Ruh'.
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(SZ vom 11.3.2008/mcs)
Demonstrationen in Hamburg