Zeichnungen von Leonardo da Vinci

Der Forschungstrieb mancher Wissenschaftler macht vor Gräbern nicht halt. Sie diagnostizieren auch die Toten, und nicht selten kommt neben verblichenen Gebeinen auch Bizarres und allzu Prosaisches ans Licht. Darf, sollte oder muss die Wissenschaft die Totenruhe der großen Persönlichkeiten stören? Stimmen Sie ab!

Leonardo da Vinci ist das jüngste Beispiel. Italienische Wissenschafter wollen die 500 Jahre währende Totenruhe unterbrechen, die Gebeine des Künstlers exhumieren, sein Antlitz rekonstruieren und Fragen nachgehen wie: War der Künstler tatsächlich Vegetarier?

Zugunsten des Projektes könnte man einwerfen, dass Leonardo selbst den Wissensdrang über moralische Skrupel setzte. Er schaute in menschliche Leichen hinein und war der Überlieferung nach wohl der erste Mensch, der einen Frosch sezierte. So hielt er fest: "Der Forsch stirbt augenblicklich, wenn man sein verlängertes Rückenmark mit einer Nadel durchbohrt. Zuvor überlebte er ohne Kopf, Herz und innere Organe, ohne Darm und ohne Haut".

Ist wissenschaftliche Neugierde ein ausreichendes Motiv, um Tote zu exhumieren?

Foto: Immer an exakter Anatomie interessiert: Zeichnungen Leonardo da Vincis / AFP

22. Januar 2010, 18:43 2010-01-22 18:43:00  © sueddeutsche.de

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