Waldzerstörung im Kongo Verloren im Dschungel

Im rohstoffreichen Kongo versucht die Regierung, ein Geschäft mit Tropenholz aufzubauen, um Wohlstand zu schaffen. Doch man tut sich schwer, den Holz-Reichtum umweltschonend zu nutzen.

Von Judith Raupp

An diesem Mittwoch feiert die Demokratische Republik Kongo 50 Jahre Unabhängigkeit von Belgien. Ein halbes Jahrhundert hatten die Herrscher Zeit, in dem rohstoffreichen Land Wohlstand zu schaffen.

Doch sie haben versagt.

Rückständiger als der Kongo sind laut den UN nur sechs Staaten. Die Regierung versucht deshalb, das Geschäft mit Tropenholz aufzubauen. 128 Millionen Hektar, zehn Prozent des weltweiten Regenwaldbestands, wachsen im Kongo. Nachhaltiger Holzhandel und eines Tages auch Tourismus könnten dem Land dauerhafte Einnahmen verschaffen. Es ist aber eine schwierige Aufgabe, die Wirtschaft auf ein legales Fundament zu stellen - nach Jahrzehnten von Diktatur und Kriegen.

Trotzdem hat der deutsche Entwicklungsminister Dirk Niebel bei seinem Besuch im Kongo im Januar schon mal Lob verteilt. In einer Pressekonferenz mit Umweltminister José Endundo Bononge pries er besonders die Fortschritte bei einer nachhaltigen Waldnutzung. Bis 2012 hat Berlin für Öko- und Sozial-Projekte im Kongo 30 Millionen Euro zugesagt. Deutschland und ganz Europa haben Interesse an einem "grünen" Kongo - im Kampf gegen das klimaschädliche Kohlendioxid.

Deutschland fördert auch Projekte zur Zertifizierung von Tropenholz, das nach ökologischen und sozialen Kriterien geschlagen wird. Dieses Prädikat des Forest Stewardship Council (FSC) sei auf einem "guten Weg", befand Niebel. Doch René Ngongo, Träger des alternativen Nobelpreises und für Greenpeace im Kongo, sagt: "Die Europäer sollten genauer hinschauen, was bei uns läuft."

Er wirft Umweltminister Bononge eigenmächtiges Handeln und den Holzfirmen, die das FSC-Zertifikat erwerben wollen, mangelndes soziales und ökologisches Engagement vor. Nach dem letzten Krieg hat eine Ministerkommission auf Druck der Weltbank die 159 Konzessionen der ausländischen Holzfirmen auf ihre Legalität überprüft. 65 davon galten als korrekt.

Der Umweltminister hat nachträglich aber 16 weitere Konzessionen für in Ordnung erklärt. "Unakzeptabel", urteilt Ngongo. Die Regierung kontert, die Holzfirmen sicherten dringend benötigte Arbeitsplätze.

Ngongo stört auch, dass im Nachbarland, der Republik Kongo, bereits FSC-Zertifikate vergeben wurden. Er fordert, zuerst müssten in allen sechs Ländern, über die sich der Regenwald im Kongobecken erstreckt, einheitliche soziale und ökologische Standards gelten, damit es keine Zertifikate unterschiedlicher Klassen gebe. "Die Firmen wollen aber schnell machen. Denn Holz mit Ökoprädikat lässt sich in der westlichen Welt besser verkaufen."

Ärger gibt es auch mit der Bevölkerung. Um das FSC-Zertifikat zu bekommen, müssen sich die Firmen mit den Anwohnern einigen, welche Teile des Waldes für den Holzschlag tabu sein sollen, und sie müssen Schulen, Straßen oder Krankenstationen finanzieren. Manche Gespräche über solche Projekte enden im Chaos, sodass Firmenvertreter die Polizei rufen, die dann rücksichtslos mit den Dorfbewohnern umspringt.

Klage gegen Menschenrechtler

Die deutsche Holzfirma Danzer hat vor drei Jahren sogar Menschenrechtler verklagt, da Unterschriften auf einer Petition gegen Danzer angeblich gefälscht gewesen seien. Die Petition wurde bei einem Seminar der Organisation "Stimme der Stimmlosen" (VSV) erstellt. Danzer hatte die Organisation unseriös genannt, deren Präsident verfolge nur persönliche Interessen.

Doch VSV-Chef Floribert Chebeya galt international als mutiger Menschenrechtler, der sich mit den Mächtigen in Kinshasa anlegte. Das hat ihn vermutlich das Leben gekostet. Mitte Juni wurde er zum Verhör bei der Polizei einbestellt und später ermordet in seinem Auto aufgefunden.

Der Polizeichef wurde entlassen, selbst US-Außenministerin Hillary Clinton forderte die Aufklärung des Falls. Und auch Danzer hat seine Meinung über Chebeya geändert. Der Vorwurf der Unseriösität sei ein "Missverständnis", erklärte Afrika-Chef Olof von Gagern. Die Firma rede seit einiger Zeit mit VSV, die Klage richte sich nicht gegen Mitglieder dieser Organisation. Zudem wolle Danzer die Klage zurückziehen, sagte er der SZ.

Gagern sagt, es sei schwierig, im Kongo zu arbeiten, weil Rechtssicherheit und staatliche Strukturen fehlten. Oft wisse man nicht, wer in den Gemeinden Ansprechpartner sei. Auch sei es wünschenswert, wenn in allen Ländern des Kongobeckens einheitliche Sozial- und Umweltstandards gälten: "Aber man muss doch sehen, was realistisch durchsetzbar ist."

Ist der Kongo also auf gutem Weg? Der Streit um den Regenwald zeigt wohl eher, dass das Land 50 Jahre nach der Unabhängigkeit noch auf der Suche nach Orientierung ist.