Nur im Jahr 2000 sah das 13-Fragen-System Al Gore vorne, was vielleicht zu entschuldigen ist. In der Tat konnte der unterlegene Vize von Bill Clinton insgesamt mehr Wählerstimmen gewinnen als der bei Wahlmännern überlegene George W.Bush. 2008 sieht es für die Republikaner allerdings düster aus: Für sie schlagen nach Lichtmans Regeln acht Nein zu Buche.

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Etwas mathematischer als solche Ja/Nein-Verfahren wirkt die Prognose-Methode des Alan Abramowitz von der Emory University in Atlanta, Georgia. Der Politikwissenschaftler packt die jüngsten Werte des Wirtschaftswachstums, die Popularitätswerte des amtierenden Präsidenten und die Jahre der Regierungspartei im Weißen Haus in eine kompakte Formel.

Demnach sieht er voraus, dass der Wähler nach einem politischen Wechsel verlangt - gemessen daran, dass ein Republikaner seit acht Jahren das Präsidentenamt innehat, seine Umfragewerte im Keller sind und die US-Wirtschaft lahmt. Insofern könnte Obama den Nerv der US-Bürger getroffen haben.

Sein Wahlspruch "Zeit für Wandel" kam an, auch wenn der Kandidat anfangs nicht immer schlüssig erklären konnte, was genau mit dem Slogan gemeint sei. Doch wen kümmert das schon, wenn der republikanische Konkurrent, wie Abramowitz errechnet hat, am Wahltag mit 43 Prozent Stimmanteil untergehen wird.

Neben solchen Prognoserezepten gibt es indessen auch eine Zauberformel, die leichtfüßig, ohne schweres theoretisches Gepäck, den Wahlausgang genauer als alles andere erahnen lässt. Vor dieser wundersamen Gleichung sind alle Faktoren gleich - egal ob Wirtschaft oder Wähler, Popularität oder Potentaten.

Ihr Name: "Pollyvote" (www.pollyvote.com). Das einfache Prinzip: den Mittelwert möglichst vieler unterschiedlicher Prognose-Verfahren errechnen. Die findige Idee dahinter: Die Vorhersagefehler der verschiedenen Modelle gleichen sich gegenseitig aus.

Der einfache Weg ist der beste

Nach dieser Methode hat das von Scott Armstrong und Randell Jones von der University of Central Oklahoma initiierte Projekt den Ausgang der Präsidentschaftswahl 2004 mit einer Abweichung von nur 0,3 Prozent fast korrekt ermittelt. Und auch hier werden die Demokraten für diesen November derzeit mit 52,6 Prozent als Sieger gesehen.

Andreas Graefe, Ökonom am Forschungszentrum Karlsruhe und derzeit auf Forschungsaufenthalt bei Scott Armstrong, sieht in der Schlichtheit des Modells seinen Vorteil: "Es ist ein Irrglaube, dass sich komplexe Probleme nur mit komplizierten Verfahren lösen lassen. Oft liefert der einfache Weg die besseren Ergebnisse."

Gewiss, all diese Ansätze lassen einen Aspekt außer Acht: Warum die Amerikaner letztlich diesem oder jenem Kandidaten ihre Stimme geben. Aber womöglich ist das ohnehin nicht so bedeutend, wie eine Studie von Armstrong und Graefe zeigt. Sie erkundigten sich bei amerikanischen Wählern, wen sie als kompetenter erachten, um etwa den Irak-Krieg oder die aktuelle Wirtschaftskrise zu bewältigen. Die große Mehrheit bevorzugte Barack Obama.

Fragte man sie allerdings danach, wie die Probleme gelöst werden sollten, befürworteten viele republikanische Positionen. Offensichtlich ist den Wählern nicht immer bewusst, welche Politik ihr favorisierter Kandidat tatsächlich vertritt. Und wenn Wähler selbst nicht so genau wissen, warum sie einen Präsidentschaftsanwärter wählen, dann gewinnen allerlei Prognoseverfahren an Wert.

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  1. Zauberformeln für den Wählerwillen
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(SZ vom 06.08.2008)