Wahlfälschung Wie man Signale des Betrugs erkennt

Wahlfälscher bemühen sich gemeinhin, ihr Tun zu verheimlichen. Wissenschaftler aus Österreich haben nun einen einfachen Test entwickelt, der enthüllen soll, ob und in welchem Umfang eine Abstimmung manipuliert wurde. Hinweise darauf haben sie zum Beispiel in Russland gefunden.

Von Christopher Schrader

In 324 Fällen gingen die Fälscher einfach zu plump vor. Sie befüllten die Urnen mit genau so vielen Wahlzetteln, wie es Stimmberechtigte in dem Bezirk gab, und auf allen war Wladimir Putin angekreuzt. Oder sie ignorierten den Inhalt der Urnen einfach und meldeten als Ergebnis ihrer Auszählung die 100-prozentige Zustimmung zu dem Kandidaten, der im vergangenen Frühjahr nach einer Warteschleife als Ministerpräsident zum dritten Mal für das Präsidentenamt kandidierte. Insofern hat sich seit den Sowjet-Zeiten in Russland nicht viel geändert. Oder wie Stalin es einmal sagte: "Die Leute, die Stimmen abgeben, entscheiden nichts. Die Leute, die Stimmen zählen, entscheiden alles."

Die Wahlfälschung in Russland war nicht überall so plump wie in jenen 324 Fällen. Doch immerhin wurden im vergangenen März in etwa 40 Prozent der Bezirke Ergebnisse womöglich manipuliert, haben soeben Forscher aus Österreich berechnet. Für die Parlamentswahl 2011, die Putins Partei Einiges Russland gewann, kommen die Statistikexperten aus Wien und Laxenburg sogar auf 65 Prozent verschobener Resultate (PNAS, online).

"In Russland gab es nach der Wahl 2011 schon Proteste, weil zu viele Ergebnisse fast 100 Prozent Beteiligung und Stimmen für Einiges Russland zeigten", sagt der Statistiker Stefan Thurner von der Medizinischen Universität Wien. "Wir haben daraus jetzt einen Test gemacht, der aus einer digitalen Tabelle der Wahlergebnisse innerhalb von Minuten ein Ergebnis erzeugt."

Die vier Forscher tragen die Ergebnisse aller Stimmbezirke dazu in ein Koordinatensystem ein. Die Querachse des Diagramms bezeichnet die Wahlbeteiligung, die obere die Zustimmung zum Wahlsieger. Bei demokratischen Wahlen ergibt sich eine ovale oder runde Wolke von Punkten, weil die Ergebnisse nicht von der Wahlbeteiligung abhängen. So sehen zum Beispiel die Diagramme aus Frankreich oder der Schweiz aus. In Kanada fanden die Forscher ungewöhnlicherweise zwei Punktwolken. Grund dafür ist die niedrigere Zustimmung der frankophonen Bezirke von Quebec für den Ministerpräsidenten (siehe Grafik).

In Russland und Uganda sieht das Diagramm indes ganz anders aus. Die Wolke ist nach rechts oben verschmiert, außerdem gibt es eine verräterische Häufung bei sehr hohen Beteiligungen und Zustimmungsraten. Diese lassen sich nicht durch kleine Wahlbezirke erklären, betont Thurner, wo etwa auf Inseln oder in Bergdörfern die wenigen Einwohner alle gleich wählen - für seine Analyse hat das Forscherteam Wahlbezirke mit weniger als 100 Stimmen ausgeschlossen. "Wir können die Grenze auch auf 500 setzen, das ändert an den Ergebnissen kaum etwas."