Jeder geistig gesunde Mensch kann sich gegen einen Mord entscheiden - sagt die Justiz. In seinem Wissenschaftsthriller "Der fremde Wille" stellt M.C. Schulte von Drach diese Behauptung in Frage.

München wird von einem Serienmörder heimgesucht, wie ihn die Ermittler der Mordkommission um Hans Bauer noch nie erlebt haben: Der Täter taucht auf wie ein Schatten, vergewaltigt seine Opfer, beißt sie tot und verschwindet wieder.

(© Foto: oH)

Anzeige

Sein Vorgehen ist immer gleich, am Tatort hinterlässt er Fingerabdrücke und DNA. Doch trotz modernster Ermittlungsmethoden kommen die Polizisten nicht einmal in die Nähe des Mörders. Dann geschehen identische Verbrechen auf Hawaii, in Schottland und in den USA.

Reist ein Wahnsinniger um die Welt? Sind die Morde die Rituale einer Sekte? Gemeinsam erstellen Experten des BKA, des FBI und von Scotland Yard ein Profil des Täters. Doch die Wahrheit liegt weit jenseits ihrer Vorstellungen. Und der Mörder hat keine Wahl. Er muss immer und immer wieder zuschlagen.

Markus C. Schulte von Drach, Wissenschaftsredakteur bei sueddeutsche.de, hat einen Thriller geschrieben, der die Grenzen des Genres bewusst sprengt. Seine Helden setzen sich mit Fragen auseinander, die derzeit intensiv diskutiert werden: Warum wird jemand zum Mörder? Wer ist schuldunfähig? Gibt es überhaupt einen freien Willen, der es Verbrechern ermöglicht, sich gegen ihre Taten zu entscheiden?

MARKUS C. SCHULTE VON DRACH: Der fremde Wille. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009. 512 S., 19,95 Euro.

Leser empfehlen 

(SZ vom 19.05.2009/gal)