Sie machen vor gar nichts Halt: Digitale Viren werden bald auch Handys, Organizer und Minicomputer befallen.
Die sorglosen Zeiten sind vorbei!" Würde ein Computermagazin mit dieser Enthüllung aufmachen, es bliebe wohl am Kiosk liegen. Denn für PC-Nutzer ist die Sorge um Angriffe aus dem Netz längst Alltag. Dennoch ist die Schlagzeile berechtigt - weil es um mobile Geräte geht, um Handys und um Organizer: Auch deren Besitzer müssen sich spätestens in zwei Jahren an Virenattacken gewöhnen, glauben Fachleute. Der russische Antiviren-Experte Eugene Kaspersky etwa sagt, dass die Evolution der "mobilen" Viren denselben Verlauf nehmen wird wie die Entwicklung am PC. "Es wird nur schneller gehen."
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Längst reden Fachleute auf Konferenzen mit martialischen Begriffen wie "Def Con" oder "Black Hat Briefings" über die Bedrohung für intelligente Telefone und Kleincomputer. "Es fängt tatsächlich ähnlich wie beim PC an", bestätigt der Magdeburger Virenforscher Andreas Marx. "Beim PC tauchte zuerst ein Virus auf, dann kam ein zweiter hinzu und nach einer Ruhephase wiederholte sich der Vorgang." Dasselbe beobachtet Marx seit dem Jahr 2000 auch auf mobilen Geräten. Doch die Industrie reagiere nicht, moniert der Virenforscher: Die aktuellen Betriebssysteme sind so offen wie PC-Software vor 15 Jahren.
Interessanter Faktor: Wirtschaftliche Interessen
Für Virenprogrammierer ist eine neue Geräteklasse zunächst eigentlich unattraktiv; zu klein die Zahl potenzieller Opfer, zu schlecht die Verbreitungswege. Daher haben sie für mobile Geräte bislang nur eher harmlose Viren-Prototypen entwickelt (SZ, 21.7.). Handfeste wirtschaftliche Interessen aber könnten die Entwicklung beschleunigen, wie die Aufregung um das Handy-Spiel "Mosquitos" zeigt.
Seit einigen Monaten gibt es Meldungen, die Software für Geräte mit dem Betriebssystem "Symbian" enthalte ein Spionageprogramm und verschicke ungefragt SMS-Botschaften. Inzwischen hat sich herausgestellt: Die SMS-Funktion hatten schon die Spiele-Entwickler eingebaut. Sie haben sie nach eigenen Angaben lahmgelegt; erst ein Hacker soll die Software scharf gemacht haben. In der Tat bekam nur Probleme, wer sich eine illegale Version des Spiels besorgt hatte.
Doch damit ist die Katze sozusagen aus dem Sack: "Wer sich mit dem Programmieren auskennt, kann eine vergleichbare Funktion auch für das mobile Windows entwickeln", erklärt David Hettel, ein Experte für Kleincomputer mit Windows-Betriebssystem, der das Trojanische Pferd in "Mosquitos" ausführlich untersucht hat. Zudem lassen steigende Gerätezahlen das Interesse der Virenschreiber steigen. "Sobald deren Dichte groß genug ist, wird es losgehen", sagt der Karlsruher Virenexperte Christoph Fischer. Er vergleicht die Situation mit der Myxomatose, einer Viruserkrankung bei Kaninchen: "Sie bricht immer erst ab einer bestimmten Bevölkerungsdichte aus."
Die für Virenprogrammierer paradiesischen Zustände auf dem PC mit seiner Windows-Monokultur wird es auf den mobilen Geräten zwar nicht geben. Neben Symbian und dem mobilen Windows kämpft das Palm-Betriebssystem um die Vorherrschaft. Aber die Firmen machen es den Virenschreibern leicht: "Was die Sicherheit angeht, stehen die mobilen Betriebssysteme auf einer Stufe mit MS-DOS und Windows 98", stellt Andreas Marx fest. Den Virenforscher stört vor allem, dass es keine Verwaltung von Benutzerrechten gibt, wie Windows XP sie kennt. "Auf einem Kleincomputer darf jeder Benutzer alles machen", sagt er. Daten löschen, ausspähen oder stehlen - "das ist wie in alten DOS-Zeiten".
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak