Vogelzug und Klimawandel Weiterfliegen lohnt sich nicht

Der Klimawandel könnte manchen Tieren ermöglichen, neue Lebensräume zu erschließen. Doch die Erwartungen der Wissenschaftler erfüllen sich nicht immer, wie das Beispiel der Kormorane zeigt.

Von Kai Althoetmar

Für manche Tiere in der Arktis könnten sich mit dem Klimawandel neue Lebensräume auftun, denn mit steigenden Temperaturen wird das Leben im hohen Norden weniger unwirtlich. So könnte die arktische Vogelwelt die Grenzen ihres Vorkommens um einige Breitengrade Richtung Nordpol verschieben, vermuten einige Wissenschaftler.

Dies stellt nun jedoch ein Forscherteam infrage, das die Ausbreitung und den Vogelzug von Kormoranen in Grönland untersucht hat (Journal of Zoology, Bd. 289, S. 119, 2013). Diese Vögel leben nicht nur in den warmen Klimazonen Europas, Afrikas, Asiens und Australiens, sondern auch in Ostkanada und Grönland. Die meisten Populationen der schwarzen Fischjäger sind Winterflüchter.

Auf Grönland ziehen die Vögel meist schon im September in den milderen Süden der Insel. Bislang waren Forscher davon ausgegangen, dass Kormorane in Grönland vom Klimawandel profitieren würden. Die Eisschmelze gibt Tauchvögeln wie dem Kormoran das benötigte offene Gewässer. Wärmeres Meerwasser und wärmere Luft verlangen ihnen weniger Energie ab, um ihre Körpertemperatur zu halten - eigentlich gute Bedingungen, sich noch weiter nördlich zu orientieren.

Ob der Klimawandel das Zugverhalten der Vögel beeinflusst, untersuchten Forscher um den Evolutionsbiologen Craig White von der University of Queensland mithilfe von Messgeräten, mit denen sie Kormorane während der Brutsaison vor der Westküste Grönlands ausgestattet hatten. Die Sensoren erfassten Luft- und Meerestemperatur, Tauchtiefe der Vögel, die Aufenthaltsorte im Winter sowie Stärke und Dauer des Tageslichts.

Die Daten nutzten die Forscher, um Energiebilanzen für verschiedene Brutstandorte zu erstellen. Demnach ist es für die Vögel am energieeffizientesten, wenn sie sich so weit südlich wie möglich in Grönland aufhalten.

Das liegt den Forschern zufolge an den schlechteren Lichtverhältnissen im Norden. Für ihre Jagd sind Kormorane auf Helligkeit angewiesen - weniger Tageslicht bedeutet auch weniger Beute. Auch spiele der Energieaufwand eine Rolle, der im Herbst für die Reise in die südlichen Winterquartiere nötig ist.

Je weiter die Vögel in den südlichen Teil der Insel zu ihren Winterquartieren fliegen müssen, umso mehr Energie koste sie das. Die Folge könnten kleinere Gelege in der nächsten Brutsaison sein.