Vogelsterben Adieu, Spatz

Weitverbreitete Vögel wie die Spatzen leiden besonders unter der allgemeinen Verschlechterung ihres Lebensraums

(Foto: dpa)

Häufige Vogelarten wie die Spatzen werden in Europa deutlich seltener. Für Lerchen und Kiebitze lassen Bauern schon Lücken im Acker. Doch den Schwund des Lebensraums kann das kaum stoppen.

Von Marlene Weiß

Zum Beispiel der Hausspatz. Wahrlich kein Vogel, der akut vom Aussterben bedroht wäre, er kommt notfalls auch in der Nachbarschaft von Würstchenbuden zurecht. Aber in den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl der Spatzen in Europa in etwa halbiert. Damit stehen die putzigen Kerlchen für einen Trend, der sich durch die ganze Vogelwelt zieht: Während sich viele Vorzeigearten wie Schwarz- und Weißstörche zuletzt erholt haben, werden kleine Allerweltsarten seltener. Wie dramatisch dieser Rückgang ist, rechnen jetzt Forscher um Richard Inger von der University of Exeter in der Zeitschrift Ecology Letters vor.

Die Wissenschaftler haben analysiert, wie sich die Bestände von 144 Vogelarten in Europa zwischen 1980 und 2009 entwickelt haben. Die Daten stammten von der Vogelschutz-Partnerschaft Birdlife International und vom paneuropäischen Monitoring-Plan verbreiteter Vogelarten, einer Organisation von Ornithologen. Vor allem die ersten 20 Jahre des Zeitraums waren demnach eine üble Zeit für Vögel. In den letzten zehn Jahren hätten sich die Bestände etwas stabilisiert. Insgesamt, schätzen die Forscher, leben heute in Europa 421 Millionen Exemplare der betrachteten Arten weniger als 1980, was einem Rückgang um etwa 20 Prozent entspricht.

Brutplätze fehlen

Dabei geht es den etwas spektakuläreren Vögeln wie Graureiher oder Teichrohrsänger heute besser als früher. Bei Arten wie Dohlen oder eben Spatzen dagegen, für die kein Hobby-Ornithologe zum Fernrohr greift, sind die Verluste riesig. Der Grund könne sein, schreiben die Forscher, dass gewöhnliche Arten nun einmal weit verbreitet seien. Daher litten sie direkt unter der allgemeinen Verschlechterung der Landschaftsqualität. Anders als ohnehin seltene Arten, denen mit ein paar Schutzgebieten geholfen ist. Tatsächlich ist der Schwund bei den Vögeln, die auf Äckern und Weiden leben, mit Abstand am größten.

Schwertkampf unter Kolibris

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In Deutschland schlagen Naturschützer längst Alarm, dass einst gewöhnliche Vögel wie Feldlerche und Kiebitz selten werden. "Wintergetreide wächst inzwischen so dicht, dass Vögel gar nicht mehr von oben hineinfliegen und zwischen den Halmen brüten können", sagt Florian Schöne, Agrarexperte vom Nabu. Helfen können nur die Bauern. Viele lassen inzwischen Lerchenfenster frei, kleine Lücken im Feld, auf denen nicht gesät wird. In einem vom Bundesumweltministerium geförderten Projekt mit dem Thünen-Institut des Landwirtschaftsministeriums untersucht der Nabu nun unter anderem in Bayern, ob so etwas auch bei Kiebitzen ginge. Für sie könnte es künftig brachliegende Inseln im Acker geben, wo sie brüten und Insekten für ihre Jungen fangen könnten. Den Verdienstausfall bekämen die Bauern aus EU-Fördermitteln ersetzt.