Vitamin D Ein Dogma fällt

Vitamintabletten haben sich als herbe Enttäuschung erwiesen - sie können die Gesundheit sogar gefährden. Doch für Vitamin D korrigiert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ihre Einschätzung. Vor allem Senioren sollten eine Extraportion einnehmen. Die Empfehlung stößt allerdings auf Kritik.

Von Kathrin Burger

Über Vitamintabletten gibt es seit Jahren wenig Gutes zu berichten. Vor allem Vitamin A, E und C haben sich in langjährigen Studien als kaum wirksam gegen Volksleiden wie Herzkrankheiten oder Krebs erwiesen. Manchmal erhöhten die Pillen sogar das Sterberisiko - eine herbe Enttäuschung für all jene, die Vitamine seit langem als Gesundbrunnen propagieren.

Seit einiger Zeit gibt es jedoch einen neuen Hoffnungsträger, das Vitamin D. Es ist unabdingbar für stabile Knochen.

Die Palette der Leiden, vor denen es außerdem schützen soll, ist lang: Herzkrankheiten, Diabetes, Krebs, Depressionen, grippale Infekte und Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose gehören dazu. Ob der Körper diese Krankheiten aber tatsächlich mit Hilfe von Vitamin D abwehren kann und welche Dosis er dafür braucht, ist umstritten.

In dieser Debatte hat nun die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Stellung bezogen: Sie hat die Aufnahmeempfehlungen für Vitamin D von 5 Mikrogramm auf 20 Mikrogramm erhöht, was 800 Internationalen Einheiten (IE) entspricht. Senioren, Menschen mit dunkler Hautfarbe und all jenen Personen, die sich kaum draußen bewegen, legt sie darüber hinaus ans Herz, von Oktober bis April zur Vitamintablette zu greifen.

60 Prozent der Bevölkerung sind unzureichend mit Vitamin D versorgt

Damit rückt die DGE von einem alten Dogma ab: Bislang haben Deutschlands oberste Ernährungsexperten immer betont, dass alle Nährstoffe über eine gesunde Ernährung aufgenommen werden könnten.

Ausschlaggebend für die Meinungsänderung seien Studien zur Knochengesundheit gewesen, teilt die DGE mit. So zeigte sich, dass Vitamin-D-Tabletten bei Senioren das Risiko für Knochenbrüche und Stürze um 20 bis 30 Prozent reduzieren; damit verlängern sie in dieser Altersgruppe sogar das Leben.

Auch der im Alter gefürchtete Muskelschwund könnte mit Hilfe von Vitamin D verzögert oder sogar rückgängig gemacht werden. Doch der Vorstoß der DGE stößt nicht überall auf Begeisterung. Es sei nicht ausreichend belegt, dass eine Zufuhr wirklich nötig und von Nutzen sei, sagen Kritiker.