Virusinfektion Delfin-Seuche vor der US-Küste

Große Tümmer vor der US-Küste - im Osten der USA sind Hunderte Delfine einer Virus-Infektion erlegen

Mehr als 750 Delfine sind in den vergangenen Monaten vor Amerikas Ostküste verendet. Die Ursrache steht inzwischen fest: Das Morbillivirus hat die Großen Tümmler getötet. Der Erreger ist nicht neu, die Dimension des Ausbruchs ist allerdings ungewöhnlich.

Von Katrin Blawat

Vor der amerikanischen Ostküste leiden Delfine unter dem bislang schlimmsten Ausbruch eines Morbillivirus. An dem Erreger sind in den vergangenen vier Monaten mehr als 750 Große Tümmler gestorben, teilte nun die amerikanische Wetter- und Ozeanbehörde Noaa mit. Das seien zehn Mal mehr Tiere als üblich in diesem Zeitraum.

Das Virus scheint sich mit den Delfinen entlang der Küste Richtung Süden zu bewegen. Mittlerweile wurden auch schon vor Florida infizierte Delfine entdeckt.

Das Virus gehört zu einer Familie, die viele hochansteckende Erreger einschließt, etwa das menschliche Masern- und das Mumpsvirus sowie den Staupe-Erreger bei Hunden. Nach derzeitigem Wissen können sich Menschen jedoch nicht mit dem Virus anstecken, das seit Monaten unter den Großen Tümmlern kursiert.

Möglicherweise sind jedoch auch einige Walarten betroffen. Forscher fanden das Virus bei mehreren verendeten Buckel- und Zwergpottwalen. Die Kadaver waren aber schon so stark verwest, dass sich nicht mehr feststellen ließ, ob tatsächlich das Morbillivirus die Todesursache gewesen war. In anderen Meeressäugern wie dem Gemeinen Delfin, dem Zügeldelfin und der Sattelrobbe wurde das Virus hingegen noch nicht entdeckt.

Die infizierten Großen Tümmler bekommen Gehirn- und Lungenentzündungen. Außerdem schwächt der Erreger ihr Immunsystem, so dass sie häufig unter weiteren Infektionen mit Pilzen oder Bakterien leiden. Weil einige dieser Erreger möglicherweise auch dem Menschen und dessen Haustieren gefährlich werden können, rät die Noaa dazu, am Strand Abstand zu den verendeten Tieren zu halten.

Das Morbillivirus ist schon lange als Gefahr für die Meeressäuger bekannt. Vor dem aktuellen Ausbruch galt jener in den Jahren 1987/88 als der bislang heftigste. Damals starben mehr als 740 Tiere. Da der derzeitige Ausbruch nach Einschätzung der Experten noch anhalten wird, werden der Infektion dieses Mal wohl deutlich mehr Delfine zum Opfer fallen als damals.

Aufhalten können die Forscher die Seuche nicht - allenfalls hoffen, irgendwann ihren Ursprung zu verstehen. Bislang ist unklar, warum es gerade jetzt zu dem Ausbruch gekommen ist und wie lange er anhalten wird. Möglicherweise werde das Virus noch bis zum Mai kommenden Jahres wüten, sagte eine Noaa-Mitarbeiterin. D

ie Behörde schließt nicht aus, dass Umwelteinflüsse wie eine Verschmutzung mit Schwermetallen und Änderungen der Wassertemperatur zu dem Ausbruch beigetragen haben. Wie bedeutend diese Faktoren sind, lässt sich derzeit aber nicht sagen.

Fest steht hingegen, dass vor allem jüngere Tiere betroffen sind. Viele der älteren haben sich bereits Ende der 1980er-Jahre infiziert, dies offenbar gut überstanden und nun eine lebenslange Immunität gegenüber dem Erreger.