Von Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft

Der Vorschlag, der eine Verschiebung des Stichtags vorsieht, wäre ein Kompromiss, der Deutschlands Chancen in der Stammzellforschung zumindest wahrt.

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn künftig auf einen Stichtag völlig verzichtet würde. Damit würden endlich optimale Arbeitsbedingungen für die Stammzellforschung, wie sie in anderen Ländern gegeben sind, auch in Deutschland geschaffen.

Peter Gruss forschte früher selbst mit Stammzellen. (© Foto: ddp)

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Zum Beispiel sind die Regelungen in Frankreich und den Niederlanden wesentlich liberaler. Bislang können deutsche Wissenschaftler aufgrund der restriktiven Vorgaben des Stammzellgesetzes nur einen eng begrenzten Beitrag zur internationalen Stammzellforschung leisten. Der Vorschlag, der eine Verschiebung des Stichtags vorsieht, wäre ein Kompromiss, der Deutschlands Chancen in der Stammzellforschung zumindest wahrt.

Ich persönlich arbeite ja nicht mehr als aktiver Experimentalwissenschaftler, aber in meiner ehemaligen Abteilung am Max-Planck-Institut in Göttingen gibt es eine Arbeitsgruppe, die mit menschlichen embryonalen Stammzellen forscht. Langfristiges Ziel dieser Forschungsarbeiten ist die Transplantation von Nervenzellen zur Therapie von Parkinson.

Dazu braucht es neue Stammzelllinien, die weltweit Akzeptanz finden. Es ist ja bekannt, dass die in Deutschland zur Verfügung stehenden Stammzelllinien für eine Therapie ungeeignet sind, da sie mit Tierzellen verunreinigt sind.

Ich habe großes Verständnis und auch Respekt für jene, die mit einer Entscheidung über den Gebrauch von menschlichen embryonalen Stammzellen ringen. In meiner persönlichen Wertung rechtfertigen jedoch die mit den Stammzellen verbundenen potentiellen Heilungschancen den Einsatz menschlicher Stammzellen, die von Embryonen gewonnen wurden.

In den vergangenen Monaten und Wochen hat sich die Stimmung hier zu Lande deutlich verändert. Bei allen Vorbehalten, die der Stammzellforschung nach wie vor entgegengebracht werden, gibt es inzwischen doch deutlich mehr Offenheit, die sich sowohl in der Haltung der Bundesforschungsministerin - die sich ihre Position mit Sicherheit nicht leicht gemacht hat - als auch in einigen der zu diskutierenden Gesetzesentwürfe zeigt.

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(SZ vom 14.02.2008)