Verkehr Wer Klimaschutz ernst nimmt, muss Autos abrüsten

Verkehr auf der Stadtautobahn in Peking - die starke Nachfrage nach Autos in Asien bereitet Klimaschützern Sorgen.

(Foto: dpa)

Autos könnten zum größten Stolperstein für den Klimaschutz werden. Dabei wären im Verkehrssektor große CO2-Einsparungen möglich - harte Einschnitte vorausgesetzt.

Von Christoph Behrens

Sieben Milliarden Tonnen CO₂ pusten Autos, Lastwagen, Schiffe, Flugzeuge jährlich in die Atmosphäre - rund ein Fünftel aller Treibhausgasemissionen der Menschheit. Alleine in China werden jedes Jahr 20 Millionen Autos verkauft, Tendenz steigend. Geht alles so weiter wie bislang, könnten 2050 doppelt so viele Autos auf dem Planeten fahren wie heute. Der Verkehr könnte zum größten Stolperstein für wirksamen Klimaschutz werden, und damit auch für den Ende November beginnenden Klimagipfel in Paris.

Doch es könnte auch anders kommen, schreiben Klimaforscher im Fachmagazin Science. Wenn Industrie und Politik die Weichen richtig stellen, ließen sich die Emissionen aus dem Verkehr bis 2050 auf 4,2 Gigatonnen CO₂ senken, also fast halbieren. Die optimistische Rechnung der Wissenschaftler um Felix Creutzig von der Technischen Universität Berlin fußt auf einem ganzen Bündel von Annahmen: Die Elektromobilität setzt sich in den nächsten Jahrzehnten durch. Außerdem steigen besonders in Metropolen viele Menschen auf umweltfreundliche Fortbewegungsmittel um. Oder sie arbeiten häufig gleich im Homeoffice, was Benzin sparen würde. Auch eine bessere Stadtplanung, also mehr Fußgängerzonen und Fahrradwege, könnte Einsparungen bringen.

"Heute problemlos möglich"

Gemäß der Autoren ist der Spielraum groß: In Deutschland etwa sind die Kohlendioxid-Emissionen des Pkw-Verkehrs seit 1995 nur um zwei Prozent gesunken; die Deutschen legen heute jährlich mehr Kilometer mit dem Auto zurück als vor 20 Jahren. Die Wissenschaftler rechnen vor, dass viele Fahrten künftig mit Elektroautos günstiger bewältigt werden könnten. So sind die Kosten für eine Kilowattstunde Batteriekapazität seit 2007 von rund 1000 Dollar auf 400 Dollar gefallen.

In 15 Jahren sollen sich die Batteriekosten nach einigen Schätzungen noch einmal halbieren, was Elektroantriebe in den meisten Weltregionen günstiger machen würde als Otto- oder Dieselmotoren. Mehr Radwege zu bauen sei für Kommunen bereits heute kostengünstiger als neue Straßen. "Vieles was wir vorschlagen, ist heute problemlos möglich", sagt David McCollum, Energieforscher am Wiener International Institute for Applied Systems Analysis. "Es erfordert allerdings einen starken politischen Willen", räumt er ein.

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Der Autoindustrie dürften die Vorschläge der Wissenschaftler wohl kaum gefallen. So drängen die Forscher auch darauf, Emissionsgrenzen zu verschärfen, und Sprit teurer zu machen, um Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. "Wir wissen, dass es nicht einfach wird", sagt der Erstautor der Studie, Felix Creutzig. Der Nutzen für die Gesellschaft wäre allerdings enorm, argumentieren die Forscher: Weniger Lärm, Luftverschmutzung, Fettleibigkeit. Und natürlich ein besseres Klima.