Verhaltensforschung Krieg der Affen

Schimpansen auf Raubzug vergrößern ihr Territorium.

(Foto: Getty Images)

In regelrechten Kriegszügen überfallen Schimpansen ihre Nachbarn und töten sie. Warum nehmen sie das Risiko auf sich?

Von Sebastian Herrmann

Die Schimpansen von Ngogo organisieren regelmäßig Kommandounternehmen, um tief in die Gebiete ihrer Rivalen einzudringen. Auf diesen Kriegszügen kennen die Tiere keine Gnade mit ihren Gegnern; treffen die Primaten auf Angehörige fremder Horden, eskaliert die Situation rasch. Oft fließt dann Blut und am Ende liegen Tote im Kibale-Nationalpark in Uganda, wo die Affen leben.

Die kriegerischen Aktionen lohnen sich für die Tiere, wie Wissenschaftler um Kevin Langergraber von der Arizona State University im Fachjournal PNAS (online) berichten. Durch ihre Überfälle hatten die Ngogo-Schimpansen im Jahr 2009 die Fläche ihres Territoriums im Vergleich zu 1999 um 22 Prozent vergrößert - zum Preis von 13 getöteten Rivalen aus der Nachbarschaft. Die expansive Primaten-Horde wuchs in dieser Zeit zahlenmäßig, da durch die räumlichen Zugewinne mehr und bessere Nahrung zur Verfügung stand. Auch die Lebenserwartung der Eroberer-Gemeinschaft stieg, so die Forscher.

Für einzelne Tiere lohnte es sich ebenso, die Gefahr eines Raubzuges in Kauf zu nehmen - die Männchen, die an diesen Kommandos teilnahmen, zeugten mehr Nachkommen als Artgenossen, die auf die blutigen Ausflüge verzichteten. Allerdings wagen es auch eher tendenziell ranghohe Schimpansen, sich den Patrouillengängern anzuschließen, also solche Tiere, die ohnehin bessere Chancen haben, sich zu paaren und Junge zu zeugen. Dennoch könnte die Teilnahme an den Raubzügen die Stellung der Tiere in der Gruppe verbessern - zumal diese offenbar freiwillig ist. Wie die Forscher betonen, hatten Schimpansen, die sich nicht auf das Risiko einließen, keine negativen Konsequenzen zu befürchten.

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