Verhaltensbiologie Versuchskaninchen unter Erdmännchen

Eine Gruppe von Erdmännchen überquert die Straße. Es sind rangtiefe Tiere, die prüfen, ob Gefahr droht.

(Foto: Simon Townsend/Kalahari Meerkat Project)

Wie kommt eine Gruppe von Erdmännchen über eine Straße? Einige Tiere laufen los, testen so, ob Gefahr droht - und riskieren dabei ihr Leben.

Von Christian Weber

Irgendwann haben die Menschen eine Straße gebaut, eine stark befahrene, quer durch das Siedlungsgebiet der Erdmännchen im südafrikanischen Kuruman River Reserve - und die Tiere hatten plötzlich ein Problem: Wie kommt man da rüber, ohne überrollt zu werden?

Ausgeschlossen, dass die putzigen Tiere in ihrem angeborenen Verhaltensrepertoire fündig werden könnten, wie man mit Blechmobilen auf vier Rädern umgeht.

Wie nun der Verhaltensbiologe Simon Townsend von der Universität Zürich und sein Kollege, der Systemforscher Nicolas Perony von der ETH Zürich berichten, haben die Erdmännchen einen sehr pragmatischen Weg gefunden, wie sie mit derartigen Risiken der Moderne umgehen (Plos One, online).

Die bei dieser Mangusten-Art ranghöchsten Tiere, die dominanten Weibchen, führen ihre Gruppe nur bis an den Rand der Straße. Danach geben sie die Führung häufig an ein untergeordnetes, rangtieferes Tier ab, das dann sein eigenes Leben als - so die Forscher - eine Art Versuchskaninchen beim Überqueren riskieren darf.

Allerdings dürfe man dieses Verhalten des Leittieres nicht einfach als egoistisch verurteilen, schreiben die Forscher. Vermutlich komme der Führungswechsel ganz automatisch vor allem deshalb zustande, weil das erfahrene, dominante Weibchen potenzielle Risiken, die von der Straße ausgehen, besser wahrnehmen kann, sodass es sich in eine weniger exponierte Position in der Gruppe zurückfallen lässt.

Und auch aus Sicht der Erhaltung der Gruppe sei dieser Ansatz sinnvoll. Das ranghöchste, geschlechtsreife Weibchen sei für den Nachwuchs und das Fortbestehen der Familie verantwortlich, sodass es nicht leichtfertig sein Leben aufs Spiel setzen sollte.