Verhaltensbiologie Soziale Kompetenz in den Genen

Gesellige Rhesusaffen haben auch geselligen Nachwuchs.

(Foto: Ronald Wittek/dpa)

Gesellige Makaken haben auch geselligen Nachwuchs, berichten US-Forscher. Ihre Studie zeigt, dass ein Teil des sozialen Verhaltens der Affen eine genetische Basis hat.

Von Katrin Blawat

Vielleicht sieht so das Affenparadies aus: Frei lebend auf einer von Menschen unbewohnten Insel vor Puerto Rico, regelmäßige Fütterungen eingeschlossen.

Etwas stören könnte allerdings die Dauerbeobachtung. Wer lässt sich schon gern zwei Jahre lang im Zehn-Minuten-Abstand dabei zusehen, mit wem er gerade seine Freundschaften pflegt?

Forscher um Lauren Brent von der Duke University in Durham (North Carolina) haben die sozialen Netzwerke einer Gruppe von 107 Rhesusaffen auf Cayo Santiago Island akribisch dokumentiert und wissen nun, wer mit wem befreundet ist (Scientific Reports, online).

Weil die Wissenschaftler auch die Familienverhältnisse kannten, bemerkten sie: Rhesusaffen mit vielen engen Freunden und weitläufiger Bekanntschaft leben länger, und ihre Nachkommen haben bessere Chancen, das erste Lebensjahr zu überstehen.

Diese Erkenntnisse lassen sich auch bei anderen Tierarten bestätigen. Und sie legen nahe, dass die natürliche Selektion im Zuge der Evolution dieses sogenannte prosoziale Verhalten fördert.

Dann aber müsse die Eigenschaft, nett zu Artgenossen zu sein und stabile Beziehungen zu ihnen aufbauen zu können, auch genetisch verankert sein, überlegten Brent und ihr Team. Tatsächlich schien sich die Geselligkeit der Tiere zu vererben, wie der Abgleich der Beobachtungsdaten mit den Familienstammbäumen der Tiere zeigte.

Zusätzlich untersuchten die Forscher zwei der Affengene, die den Serotonin-Spiegel im Körper steuern. Sowohl von Affen als auch von Menschen ist bekannt, dass der Botenstoff Serotonin Stimmung und soziales Verhalten mit beeinflusst.

Auch in Brents Analysen hingen Unterschiede in den beiden Genen damit zusammen, wie intensiv sich ein Affe an der gegenseitigen Fellpflege beteiligte. "Wir sehen also, dass ein Teil des sozialen Verhaltens eine genetische Basis hat", sagt die Forscherin. "Aber wir haben bisher nur an der Oberfläche gekratzt, um herauszufinden, welche Gene mit welchem Verhalten zusammenhängen."