Verhaltensbiologie Leckerer Lohn

Dinge, für die man sich nicht bücken muss, sind nichts wert - das gilt offenbar nicht nur für Menschen, sondern auch für Mäuse: Die Nager arbeiten sogar gerne für ihr Essen.

Von Sebastian Herrmann

Am süßesten schmecken die Früchte, deren Ernte am meisten Schweiß gekostet hat. Oder anders herum ausgedrückt: Dinge, für die man sich nicht bücken muss, sind nichts wert.

Nicht nur Menschen, auch Mäuse empfinden nach diesem Schema: Wissenschaftler um den Psychologen Alexander Johnson von der Johns Hopkins University in Baltimore berichten, dass Mäuse Essen favorisieren, für das sie sich anstrengen mussten.

Die Tiere bevorzugten sogar kalorienreduzierte Kost gegenüber einer Süßigkeit, wenn sie zuvor in einem Training gelernt hatten, die Diät-Happen mit großen Anstrengungen zu verbinden (Proceedings of the Royal Society B, online).

Die Test-Mäuse bedienten einen Hebel, mit dem sie sich selbst Futter verschaffen konnten. Ein Hebel gab stets nach der ersten Betätigung Futter frei, der andere musste erst 15-mal gedrückt werden.

Später ließen die Psychologen die Mäuse zwischen beiden Futtersorten wählen: Die Tiere mochten das Essen lieber, für das sie häufiger an dem Hebel zerren mussten. Aus dem Leckverhalten der Tiere nach dem Essen schlossen die Forscher, dass den Mäusen das hart verdiente Futter auch besser schmeckte.

Ähnliche Verhaltensweise haben Forscher bereits bei vielen Tieren beobachtet. Der Psychologe Glen Jensen zeigte erstmals in den 1960er-Jahren bei Ratten, dass diese frei verfügbares Fressen mitunter verschmähen, wenn sie sich ihre Mahlzeiten auch verdienen können. Auch Fische, Vögel, Affen und andere Tiere investieren lieber Energie für ein Essen, als einfach loszufuttern.

Nur ein einziges Tier bevorzugt es, keine Pfote für die eigene Nahrung zu rühren: die Katze.