Verhaltensbiologie Lasst mich alle in Ruhe

Kultur im Tierreich: Mandrillaffen in einem britischen Zoo zeigen ein ganz besonderes Verhalten, das sich durch Nachahmung über eine ganze Generation verbreitet hat.

Von Sebastian Herrmann

Irgendwann hatte Milly wohl genug von den Kollegen im Affengehege. Das Mandrillweibchen setzte sich an ein ruhiges Plätzchen und verbarg ihre Augen hinter ihrer flachen Hand.

Dann saß sie da und nichts weiter passierte. Das war im Jahr 1999, und wie der Evolutionsbiologe Mark Laidra von der Universität Princeton im Fachblatt Plos One (Bd. 6, S. e14610, 2011) berichtet, fand Milly Nachahmer.

Mittlerweile zeigen sieben der 23 Mandrillaffen im Zoo von Colchester in Großbritannien diese Geste. Dabei sitzen oder liegen die Tiere stets und halten sich eine oder beide Hände vor die Augen.

Die Geste ist von keiner anderen Mandrillpopulation weltweit bekannt. Laidre wertet das Verhalten als Ausdruck einer spezifischen Kultur der Affenbande in Colchester, die durch Nachahmung in der Gruppe über eine ganze Generation verbreitet wurde.

Aber was treibt die Affen dazu, bis zu 17 Minuten lang die Augen zu verbergen? Dabei handele es sich offenbar um eine Art Bitte-nicht-stören-Geste, schreibt Laidre. Die Tiere zeigten das Verhalten ausschließlich, wenn sie alleine sind.

Die Augen schließen sie dabei nicht, sondern spähen gelegentlich durch die zu Spalten geöffneten Finger hindurch nach Störenfrieden. Affen, die das Verhalten zeigten, stehen in der Hierarchie der Gruppe in der Regel weit unten.

Die dominanten Tiere wiederum respektieren es, wenn die Affenkollegen etwas Zeit für sich brauchen und die Hände über die Augen legen.

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