Verhaltensbiologie Die steile Reise der hawaiianischen Fische

Ein auf Hawaii heimischer Fisch schafft es, bis zu hundert Meter hohe Wasserfälle emporzuklettern. Seine wundersame Technik haben Biologen jetzt erstmals detailliert beobachtet.

Es ist nur ein kleiner, wenige Zentimeter großer Fisch aus der weitläufigen Familie der Grundeln (Gobiidae), doch zumindest auf den Inseln Hawaiis leistet er Großartiges, wie jetzt ein Biologenteam um Richard Blob von der Clemson University in South Carolina in aufwendigen Untersuchungen bestätigen konnte (Plos one, online).

Schon der Start ins Leben beginnt bei diesen Tieren, die auf Hawaii Oopu nopili (Sicyopterus stimpsoni) genannt werden, mit einem Drama: Nachdem die Weibchen ihre Eier an den Felsen der glasklaren Gebirgsbäche dieser grünen Pazifikinseln abgelegt haben, wird der Laich von den Männchen befruchtet. Doch kaum sind die Jungen geschlüpft, werden sie schon vom reißenden Strom bis ins Meer hinuntergespült, wo sie ein Leben bei Plankton im Salzwasser fristen müssen, bedroht von Raubvögeln und -fischen.

Doch irgendwann verändert sich etwas in ihrem Organismus, der Mund verschiebt sich, und sie vertragen plötzlich nur noch eine vegetarische Diät aus Algen, wie sie eben auf den Felsen der Gebirgsbäche wachsen. Das ist das Signal für den Aufbruch, sie kehren zurück an den Ort ihrer Geburt.

Die Oopu nopili schwimmen daraufhin in Richtung Ufer, zu den Flussmündungen und beginnen, die bis zu hundert Meter hohen, senkrechten Wasserfälle der Berge emporzuklettern - und wie genau sie das machen, haben jetzt Richard Blob und seine Kollegen herausgefunden: Die Fische benutzen zwei Saugnäpfe an der Unterseite ihres Bauches, wobei der eine zugleich der Nahrungsaufnahme dient. Und tatsächlich: Die Forscher konnten belegen, dass die Fische gleichzeitig mit ihrem Mund klettern und Algen zu sich nehmen und verdauen. Es ist eines dieser bizarren Wunder der Natur.