Geschlechterrollen Affenmädchen lieben Puppen

Ähnlich wie Menschen zeigen auch Schimpansen geschlechtstypisches Spielverhalten. Affenmädchen dient ein Stock als Puppe, ihren männlichen Altersgenossen dagegen als Waffe.

Von Katrin Blawat

Die neunjährige Schimpansin sitzt halb versteckt zwischen Blättern und Zweigen. Der gut 30 Zentimeter lange Stock, den sie sich zwischen Oberschenkel und Bauch geklemmt hat, fällt kaum auf.

Doch für Sonya Kahlenberg, Biologin am Bates College in Maine, ist das unscheinbare Stück Holz ein wichtiges Indiz, deshalb hat sie es fotografiert und zusammen mit den Ergebnissen aus 14 Jahren Feldforschung an das Fachmagazin Current Biology geschickt.

In der aktuellen Ausgabe berichten Kahlenberg und der Evolutionsbiologe Richard Wrangham von der Harvard University, dass junge, freilebende Schimpansen je nach Geschlecht auf unterschiedliche Weise mit Stöcken spielen.

Im Kibale-Nationalpark in Uganda beobachteten die Forscher, dass junge Weibchen die Holzstücke eher wie Neugeborene behandelten; sie trugen die Stöcke häufiger und bis zu vier Stunden lang an den Körper gepresst herum, nahmen sie mit in ihre Koje und tätschelten sie gar, wie sie es auch mit einem Schimpansen-Baby machen würden.

Junge Männchen hingegen verwendeten Stöcke eher für kämpferische Spiele, oder sie stocherten in Löchern herum, vielleicht auf der Suche nach Futter. "Das ist bei einer Tierart in freier Wildbahn der erste Beleg dafür, dass Männchen und Weibchen auf unterschiedliche Weise mit Objekten spielen", sagt Wrangham.

Allein die Tatsache, dass junge Schimpansen stundenlang Stöcke zum Spaß durch die Gegend tragen, war Primatenforschern bisher unbekannt. Dass dieses Verhalten vom Geschlecht abhängt, dürfte jedoch auch Laien und Forscher anderer Disziplinen beeindrucken.