Verbot von Quecksilber Das gefährliche Element

Quecksilber im Meer macht den Verzehr von Speisefischen wie Thunfisch zum Gesundheitsrisiko. Deshalb wollen es fast alle Umweltminister ganz verbieten. Doch es gibt ein Problem.

Von Angelika Slavik

München - Vor ein paar hundert Jahren, da galt Quecksilber als ziemlich nützliches Hausmittel. Am französischen Königshof etwa kannte man im 15. Jahrhundert keine besseres Mittel, um lästigen Wurmbefall loszuwerden. Oder lästig gewordene Ex-Mätressen.

Die EU versucht seit Jahren, den Einsatz von Quecksilber in der Industrie zu reduzieren. Gelangt Quecksilber ins Meer, kann der Verzehr von Speisefischen wie dem Thunfisch zum Gesundheitsrisiko werden.

(Foto: Foto: Reuters)

Später leistete Quecksilber auch Schulkindern gute Dienste, man brauchte bloß das Fieberthermometer einmal kurz gegen die Glühbirne zu halten, und schon war's das mit dem Schulbesuch. Mit der Wertschätzung des Quecksilbers ist schon lange Schluss - zu gefährlich, zu giftig ist der in Verruf geratene Stoff.

Beim UN-Gipfeltreffen der Umweltminister in der kenianischen Hauptstadt Nairobi kamen nun Vertreter aus 140 Ländern am Donnerstag überein, die Verwendung von Quecksilber weltweit zu verbieten. Innerhalb der nächsten zwei Jahre solle eine rechtsverbindliche Regelung erarbeitet werden, kündigte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel an.

Sonderfall Energiesparlampe

Bereits in den vergangenen Jahren wurde innerhalb der EU die Verwendung von Quecksilber stark eingeschränkt: Fieberthermometer müssen heute ebenso wie Batterien ohne den Einsatz von Quecksilber auskommen, die Grenzwerte für die zulässige Höchstbelastung in Industrieprodukten wurden kontinuierlich gesenkt. In einem Bereich machte die EU bisher allerdings eine Ausnahme: In der Richtlinie über das Verbot des Einsatzes gefährlicher Stoffe sind die Hersteller von Energiesparlampen explizit ausgenommen.

"Diese Lampen können ohne Quecksilber gar nicht funktionieren", sagt Franz Slemr, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Wegen des enthaltenen Qeucksilbers müssen diese Produkte als Sondermüll entsorgt werden - eine enorme Umweltbelastung.

Trotzdem wird es innerhalb der EU bald nur noch Energiesparlampen zu kaufen geben, denn der Einsatz herkömmlicher Glühbirnen wird von Herbst an schrittweise verboten. "Die Umweltbilanz bei diesen neuen Leuchten ist aber trotz der schwierigen Entsorgung besser als die von Glühbirnen", sagt Slemr.

Ob sich die EU dafür einsetzen will, Energiesparlampen vom weltweiten Quecksilber-Verbot auszunehmen, blieb am Donnerstag unklar. Bisher gebe es allerdings keine Möglichkeit, Energiesparlampen ohne Quecksilber zu betreiben, sagt Slemr.

Auch in anderen Industriebereichen sei es schwierig, auf den Einsatz von Quecksilber zu verzichten, etwa bei der Herstellung von Zement oder in der Elektroindustrie. Problematischer als der direkte Einsatz von Quecksilber in der Industrie seien aber jene Bereiche, wo Quecksilber an die Luft abgegeben wird - etwa bei der Müllverbrennung, bei der Verarbeitung von Erzen und bei Kohlekraftwerken.

Vor allem in Asien sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Anlagen gebaut worden, oft sind die Umweltschutzvorkehrungen mangelhaft. Die Quecksilber-Verbreitung steigt deshalb stetig an. Freigesetztes Quecksilber bleibt etwa ein Jahr in der Atmosphäre, danach gelangt es in die Gewässer.

Im Fettgewebe von Fischen reichert sich Quecksilber immer weiter an - bei Fischen, die am Ende der Nahrungskette stehen, beispielsweise Thunfisch, Hecht oder Schwertfisch, ist die Quecksilberbelastung dann oft so hoch, dass ihr Verzehr auch für Menschen gesundheitsschädlich sein kann. "In Kanada und in Schweden gibt es Tausende Seen, deren Fische nicht mehr gegessen werden sollten", sagt der Chemiker Franz Slemr.

Quecksilber kann in zu hoher Konzentration zu Schäden an Leber, Lunge und Gehirn führen. Bei Schwangeren kann eine Quecksilbervergiftung sogar zum Tod des Fötus führen oder Entwicklungsstörungen verursachen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde hat deshalb sogar einen eigenen Ratgeber für Schwangere herausgegeben, um darüber zu informieren, von welchen Speisefischen werdende Mütter Abstand nehmen sollten.

Über ein Verbot von Quecksilber war international seit Jahren gestritten worden. Besonders die USA, aber auch zahlreiche asiatische Länder hatten sich stets dagegen gesträubt. Vor allem die amerikanische Delegation zeige sich unter dem neuen Präsidenten Barack Obama wesentlich kooperativer, sagte Umweltminister Gabriel. "Man sieht, wie schnell sich die Atmosphäre verändert hat."