Von Tina Baier

Ganz der Papa: Väter behandeln Söhne und Töchter besser, die ihnen ähnlich sehen. Das hat erhebliche Auswirkungen - vom Essen bis hin zur Schulbildung.

Mütter wissen, dass ihre Kinder tatsächlich ihre eigenen sind. Väter können sich da nie ganz sicher sein. Durchschnittlich 3,3 Prozent aller Männer ziehen Kinder eines Fremden auf. Die Schwankungen sind groß: Je nach Gesellschaft liegt der Prozentsatz zwischen 0,8 und 30 Prozent.

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Der Riecher für's Kind: Männer behandeln ihre Kinder besser, wenn sie ähnlich riechen und aussehen wie sie selbst. (© Foto: AP)

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Rein evolutionstheoretisch betrachtet, können Männer nichts Dümmeres machen, als ihre Energie in fremden Nachwuchs zu stecken. Schließlich ist es der Evolutionstheorie zufolge das Ziel jedes Individuums, möglichst viele eigene Gene in die nächste Generation zu bringen.

Menschen sind da keine Ausnahme, wie Alexandra Alvergne von der Universität in Montpellier in der Fachzeitschrift Animal Behaviour (Bd.78, S.61, 2009) beschreibt. Die Wissenschaftlerin konnte zeigen, dass Väter Kinder bevorzugt behandeln, die ihnen ähneln, bei denen sie also relativ sicher sein können, dass es ihre eigenen sind.

An der Untersuchung beteiligten sich 30 Familien aus dem Sine-Saloum-Delta im Senegal mit mindestens zwei Kindern im Alter zwischen zwei und sieben Jahren. Die Gegend war besonders gut geeignet, da dort polygyne Ehen üblich sind, Männer also mehrere Frauen heiraten dürfen.

Der Anteil unehelicher Kinder ist in solchen Gesellschaften hoch, da es umgekehrt oft vorkommt, dass verheiratete Frauen mit noch unverheirateten jungen Männern Geschlechtsverkehr haben.

Häufiger beim Arzt

Die Wissenschaftler machten Fotos von den Kindern und ihren offiziellen Vätern, die sie 100 Außenstehenden aus anderen Dörfern zeigten. Diese Gutachter bekamen Fotos von jeweils einem Kind und drei Männern vorgelegt und sollten herausfinden, wer der Vater ist.

Als nächstes kam der T-Shirt-Test: Alexandra Alvergne und ihre Mitarbeiter sammelten getragene T-Shirts von Vätern und ihren Kindern ein und ließen 300 Bewohner anderer Dörfer daran schnüffeln. Anhand des Geruchs sollten sie entscheiden, welches Männer-T-Shirt zu welchem Kinder-T-Shirt gehörte.

Schließlich interviewten die Forscher die Eltern einzeln, wobei sie etwa fragten, ob der Vater der Mutter Geld für die Kinder gibt oder wie viel Zeit er mit seinem Nachwuchs verbringt. Aus den Antworten berechneten sie einen Paternal-Investment-Index als Maß für das väterliche Engagement.

Im letzten Teil der Untersuchung bestimmten die Wissenschaftler den Ernährungszustand jedes Kindes, indem sie den so genannten Body-Mass-Index (BMI) berechneten.

Das Ergebnis war eindeutig. Die Männer kümmerten sich um Söhne und Töchter, die aussahen und rochen wie sie selbst, deutlich mehr als um Kinder, bei denen das nicht der Fall war.

Die Väter schickten Kinder, die große Ähnlichkeit mit ihnen hatten, öfter zur Schule und brachten sie häufiger zum Arzt als Jungen und Mädchen, bei denen die Familienzugehörigkeit nicht so klar zu erkennen war. Zudem war der unverwechselbare Nachwuchs größer und besser genährt als die Geschwister.

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(SZ vom 24.06.2009/gal)