USA Vogelgrippe-Experimente sollen reguliert werden

Nach umstrittenen Experimenten mit Vogelgrippeviren will die US-Regierung entsprechende Versuche strenger regulieren. Nur wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, sollen Forscher vom Gesundheitsministerium weiter gefördert werden.

Von Katrin Blawat

Einem Plan der amerikanischen Regierung zufolge könnte es künftig für Forscher deutlich schwieriger werden, in den USA mit Vogelgrippeviren zu arbeiten. Das Gesundheits-Ministerium nennt unter anderem sieben Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit das Ministerium die Experimente fördert. Ohne eine solche Finanzierung können viele Forscher nicht oder nur sehr eingeschränkt arbeiten.

Hintergrund des Plans ist ein Streit um Arbeiten von Ron Fouchier und Yoshihiro Kawaoka. Beide Forscher haben Vogelgrippeviren so verändert, dass sie über die Luft ansteckend für Frettchen geworden sind - Eigenschaften, die der H5N1-Erreger normalerweise nicht besitzt. Vor etwa einem Jahr weckten die Versuche bei vielen Menschen Angst vor einem Supervirus, das aus dem Labor entkommen oder von Bioterroristen missbraucht werden könnte. Daraus entstand eine Debatte darüber, ob und unter welchen Umständen derartige Versuche erlaubt sein sollen.

Der Plan des US-Ministeriums bezieht sich auf Experimente, die die Übertragbarkeit der Viren, ihre Pathogenität oder ihre Fähigkeit erhöhen, eine größere Zahl von Tierarten zu infizieren. Derartige Studien sollen künftig ein zusätzliches Mal begutachtet werden. Forscher sollen vorab nachweisen, dass ihr veränderter Erreger die im Versuch gewonnen Eigenschaften auch von sich aus in der Natur erwerben kann. Die Art der Finanzierung soll eine "angemessene Aufsicht" über die Veröffentlichung der Versuche ermöglichen. Außerdem müssen "die wissenschaftlichen Fragen von hoher Bedeutung für die öffentliche Gesundheit" sein.

"Eine Frage der Definition"

"Was heißt das? Das ist doch eine Frage der Definition", sagt der Influenza-Experte Peter Palese von der Mount Sinai School of Medicine in New York City. Wie viele seiner Kollegen hält er die Pläne für zu restriktiv: "Wir brauchen keine weitere Regulierung." Auch nach Ansicht seines Marburger Kollegen Hans-Dieter Klenk sind die bestehenden Vorschriften ausreichend. Dem jedoch steht die Kritik etwa des Molekularbiologen Richard Ebright von der Rutgers University in New Jersey gegenüber, der die vorgeschlagenen Sicherheitsvorkehrungen im Magazin Science Insider als nicht weitgehend genug bemängelte.

Palese vermutet, dass der Vorschlag des Ministeriums umgesetzt werden wird. "Ich nehme nicht an, dass damit Experimente mit H5N1 bewusst verhindert werden sollen", sagt sein Kollege Klenk. "Es wird die Versuche aber erheblich erschweren." Zumal die geplanten Vorgaben, die sich bislang nur auf manche Arbeiten mit H5N1-Viren beziehen, später womöglich auch für bislang weniger umstrittene Versuche und weitere Erreger gelten könnten. "Die Gefahr besteht, dass das riesige Kreise zieht."