Unerwartet kommt der Karpfen-Alarm daher nicht. Bereits 2002 installierte das Ingenieurkorps der US-Armee in einem zum Lake Michigan führenden Kanal eine provisorische elektrische Barriere, der zwei Jahre später eine permanente Sperre folgte. Doch das Abwehrsystem war offensichtlich nicht besonders effektiv, wie das nördlich dieser Sperre gefundene Karpfenerbgut belegt.

asiatischer Karpfen

In China werden die Karpfen sehr geschätzt - nicht nur auf dem Teller. (© Foto: AP)

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Inzwischen hat sich das Weiße Haus eingeschaltet. Anfang Februar erklärte Nancy Sutley, Vorsitzende eines Ausschusses für Fragen des Umweltschutzes, die US-Regierung werde 78,5 Millionen Dollar bereitstellen, um die Ausbreitung der Karpfen einzudämmen. Von dem Geld soll unter anderem eine weitere Unterwasserschranke gebaut werden. Die US-Naturschutzbehörde Fish and Wildlife Service plant außerdem, ein Gift zu entwickeln, das nur asiatische Karpfen tötet. Außerdem sollen Fallen gebaut werden, die Fische mittels Sexualhormonen anlocken.

Die wohl beste Möglichkeit wäre jedoch, alle Schleusen in dem Fluss- und Kanalsystem, das den Lake Michigan mit dem Mississippi verbindet, dauerhaft zu schließen. "Auf diesem Wege würde man auch andere Eindringlinge aus den Seen fernhalten - und alle 180 ortsfremde Arten, die bereits in den Seen leben, daran hindern, in die Flüsse Richtung Süden zu wandern", sagte David Lodge, Experte für invasive Arten an der Notre Dame University in Indiana, dem Wissenschaftsjournal Science.

Die Trennung der beiden Ökosysteme hat allerdings auch Gegner. Von und zu den Großen Seen werden alljährlich Millionen Tonnen Güter wie Eisenerz, Kohle, Zement oder Getreide verschifft. Würden die Schleusen geschlossen, müssten Schiffe über Sperren hinweggehievt oder die Ladung auf Straßen und Schienen verlagert werden.

Der Widerstand der Lobbygruppen der Frachtschifffahrt gegen die Schließung der Schleusen wird von der Regierung des US-Bundesstaates Illinois und der Stadt Chicago unterstützt. Beide profitieren seit mehr als 150 Jahren vom Güterverkehr auf den Wasserstraßen. Im Dezember brachte der US-Bundesstaat Michigan eine Klage gegen Illinois vor dem Verfassungsgericht der Vereinigten Staaten ein, um die Schließung der Schleusen zu erzwingen. Die Richter nahmen die Klage jedoch nicht an.

Damit ist der Machtkampf noch nicht entschieden. Derzeit erwägt das für die Schleusen zuständige Ingenieurkorps der US-Armee, diese zwar nicht dauerhaft, aber für einige Tage in der Woche zu schließen. Eine Entscheidung soll noch diesen Monat fallen und im April umgesetzt werden. "Im Frühjahr werden die Fische aktiver, wir müssen handeln", sagt der für den Kreis Chicago zuständige Vincent Quarles vom Ingenieurkorps der US-Armee.

Nicht jeder betrachtet die Karpfen als Bedrohung. In China werden die Tiere sehr geschätzt, und zwar nicht nur für den Speiseplan. Da in vielen, von Düngemitteln, Insektiziden und Gülle verschmutzten Flüssen und Seen Chinas Algen wuchern, setzen die Behörden die robusten Karpfen ein, um die Algenpest unter Kontrolle zu bekommen.

Der Tai Hu, Chinas drittgrößter Binnensee in der Provinz Jiangsu, ist zum Beispiel extrem mit Nitraten und Stickstoffen belastet. 2007 war er weitflächig von Algen bedeckt, was die Trinkwasserversorgung der an seinen Ufern gelegenen Millionenstadt Wuxi gefährdete. Im Rahmen der ökologischen Sanierung des Sees haben chinesische Behörden jetzt angekündigt, bald mehr als 20 Millionen Karpfen in dem Gewässer auszusetzen.

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  1. Invasion der Karpfen
  2. Sie lesen jetzt 80 Millionen Dollar zur Karpfenbekämpfung
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(SZ vom 09.03.2010/beu)