US-Studie Vorsicht: Gebet

Wenn Sie für jemandes Genesung beten, dann erwarten Sie besser nicht zuviel. Und verraten Sie dem Betroffenen bloß nichts von Ihrem geistigen Beistand. Dass ist das Fazit einer großen US-Studie zur heilenden Kraft des Gebetes.

Von Markus C. Schulte v. Drach

US-Forscher hatten die Genesung von mehr als 1800 Patienten nach einer Bypass-Operation an den Herzkranzgefäßen beobachtet.

Vielleicht hilft's, vielleicht auch nicht.

(Foto: Foto: ddp)

Die Studienteilnehmer hatten sie in drei Gruppen unterteilt: Eine Gruppe wusste, dass fremde Menschen für sie beteten, einer zweiten wurde gesagt, es könnte sein, dass sie Beistand durch Gebete von Mitgliedern einer ihnen unbekannten Gemeinde erhalten würde.

Und eine dritte Gruppe musste ganz ohne Gebete auskommen.

Alle Gebetsteilnehmer durften beten, was sie wollten - allerdings mussten sie auch die Bitte an Gott richten: "für eine erfolgreiche Operation mit einer schnellen gesundheitlichen Erholung und keinen Komplikationen", berichtet die New York Times.

30 Tage nach der Operation konnten die Forscher um Herbert Benson vom Mind/Body Medical Institute bei Bosten keine Unterschiede im Heilungsverlauf feststellen - egal, ob für die Patienten gebetet wurde, oder nicht.

Allerdings stellte sich heraus, dass in jener Gruppe, die wusste, dass jemand Gottes Beistand für sie erbat, mehr Komplikationen wie Herz-Rhythmus-Störungen auftraten als in der Kontroll-Gruppe.

Wie die US-Zeitung schreibt, waren in der Gruppe derjenigen Patienten, die nicht wussten, ob nun für sie gebetet wurde oder nicht, bei 18 Prozent schwerwiegende Komplikationen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle aufgetreten.

Unter jenen, die wussten, dass sie nicht auf fremden Bet-Beistand zählen konnten, waren es mit 13 Prozent deutlich weniger.

Eine Reihe von ähnlichen Untersuchungen - allerdings mit weniger strengem Studien-Design - hatte in den letzten Jahren unterschiedliche Ergebnisse erbracht, so dass die Erwartungen an die aktuelle Studie hoch waren.

Die Studie, die 2,4 Millionen Dollar gekostet hat, lässt sich jedoch sehr unterschiedlich interpretieren.

Wer sowieso nicht an die Kraft des Gebetes glaubt, dürfte sich bestätigt fühlen.

Gläubige wie die beteiligten Wissenschaftler selbst allerdings stellen lediglich fest, dass die Rolle, die das Wissen um das Gebet anderer Menschen hat, genauer untersucht werden müsste.

Auch wäre ja unbekannt, in welchem Ausmaß Familienmitglieder und Freunde, die an der Studie nicht teilgenommen hatten, für die Patienten gebetet hatten. Und schließlich wird in aller Welt ständig irgendwo für die Kranken und Sterbenden gebetet, was die Ergebnisse ebenfalls verfälschen könnte.

Dann allerdings ist eine wissenschaftliche Untersuchung des Gesundbetens vermutlich grundsätzlich nicht möglich.

Trotzdem scheint US-Präsident George W. Bush, der selbst ständig um Gebete bittet oder solche verspricht, ein großes Interesse an Beweisen ihrer Macht zu haben. 2,3 Millionen Dollar hat die Regierung seit dem Jahr 2000 in entsprechende Studien investiert.