Um nicht von russischen Raumschiffen abhängig zu sein, will die Nasa ihre Space Shuttles länger fliegen lassen.
Eigentlich ist das Ende längst beschlossen. Am 14. Juni 2010 soll die US-Raumfähre Endeavour nach dem letzten Flug eines Space Shuttle auf der Erde landen - nach 135 Flügen, geprägt von Erfolgen und Verzögerungen, hohen Kosten und ungelösten Sicherheitsproblemen. Museen streiten bereits darüber, wer die verbliebenen Raumfähren bekommt. Doch sie freuen sich möglicherweise zu früh.
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Die US-Raumfähren sollen möglicherweise bis ins Jahr 2015 im Einsatz bleiben. (© Foto: AFP)
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Vergangene Woche hat Michael Griffin, Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa, die Shuttle-Verantwortlichen überraschend angewiesen, über eine Ausweitung der Flüge bis ins Jahr 2015 nachzudenken.
Bislang hatte Griffin diese Option stets als zu gefährlich und zu teuer abgetan. Nasa-Sprecher John Yembrick versucht daher auch, den plötzlichen Strategiewechsel kleinzureden. "Es ist keine Studie oder Anordnung, wir versuchen nur, ein paar Daten zu sammeln und diese zu analysieren", sagte Yembrick dem Houston Chronicle.
Klar ist: Die Nasa steht vor einem Dilemma. Der Shuttle-Nachfolger Orion, ursprünglich für 2012 erhofft, wird wohl frühestens 2015 fertig werden. Sollten die Shuttles also wie geplant 2010 ausgemustert werden, könnten die Amerikaner fünf Jahre lang keine Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS bringen - jedenfalls nicht aus eigener Kraft. Sie wären auf Mitfluggelegenheiten in den russischen Sojus-Kapseln angewiesen.
Die Beziehungen zwischen Russland und den USA stehen seit Beginn des Kaukasus-Konflikts allerdings nicht unbedingt zum Besten.
Es kommt noch schlimmer. Da Russland Atom- und Waffentechnik an Staaten wie Iran oder Nordkorea weitergegeben haben soll, dürfen amerikanische Behörden russische Technologie nur in Ausnahmefällen nutzen.
Noch bis Ende 2011 läuft eine Ausnahmegenehmigung, die der Nasa den Flug in Sojus-Kapseln erlaubt; derzeit verhandeln die Partner über eine Verlängerung.
Zustimmung fraglich
Dass der US-Kongress erneut zustimmt, scheint angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen allerdings mehr als fraglich. "In einem Wahljahr wäre es schon sehr schwer geworden, mehrere 100 Millionen Dollar für einen Deal mit einem zunehmend aggressiven Russland zu bekommen", sagte der demokratische Senator Bill Nelson der Washington Post kurz nach Ausbruch des Konflikts in Georgien. "Jetzt ist es fast unmöglich."
So einfach dürfte sich aber auch das Shuttle-Programm nicht wiederbeleben lassen. Bereits vor mehreren Jahren hat die Nasa begonnen, die benötigten Ersatzteile für Flüge bis ins Jahr 2010 einzukaufen und dann die Verträge mit den Zulieferern gekündigt.
Viele Beschäftigte, die bislang den Shuttle in Schuss gehalten hatten, arbeiten mittlerweile am Bau des Orion-Raumschiffes und einer neuen Trägerrakete. "Seit vier Jahren geht das Shuttle-Programm bereits seinem Ende zu", schreibt der ehemalige Shuttle-Manager Wayne Hale in seinem Weblog. "Die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten."
Zudem hat die Expertenkommission, die den Absturz der Raumfähre Columbia im Februar 2003 untersuchte, hohe Anforderungen an künftige Flüge gestellt. Nach 2010 müssten, so die Forderung, alle Shuttle-Systeme neu zertifiziert werden. Nur so ließen sich Gefahren für die Astronauten minimieren.
Vor Sicherheitsmängeln warnt auch Nasa-Chef Michael Griffin. Im April sagte er vor einem Ausschuss des US-Senats: Bei einer Verlängerung der Shuttle-Einsätze mit zwei Flügen pro Jahr bis 2015 werde das Risiko eines neuen tödlichen Unglücks statistisch gesehen auf eins zu zwölf steigen. "Das ist ein hohes Risiko, das ich zum Wohle unserer Astronauten nicht eingehen würde."
Finanziell käme auf die Agentur ebenfalls einiges zu. Griffin rechnet mit Kosten von vier Milliarden Dollar pro Jahr, sollten die Raumfähren nach 2010 einsatzbereit bleiben. Die Summe, fast ein Viertel des Nasa-Budgets, werde aber an anderer Stelle dringend gebraucht: für den Bau des Shuttle-Nachfolgers.
Am Geld soll es allerdings nicht scheitern - zumindest dann nicht, wenn es nach Barack Obama und John McCain geht. Die beiden Bewerber um den Posten des Präsidenten haben den Shuttle als Wahlkampfthema entdeckt.
So verkündete Obama, der zuvor das Raumfahrtbudget zugunsten der Bildungsförderung kürzen wollte, Mitte August, er wolle der Nasa zusätzlich zwei Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Und McCain, der vergangenes Jahr noch gegen eine milliardenstarke Finanzspritze für die Nasa gestimmt hatte, forderte vergangene Woche Präsident Bush auf, das Ende der Shuttle-Flüge um ein Jahr aufzuschieben. Mindestens.
Mit echter Raumfahrtbegeisterung dürfte beides aber wenig zu tun haben: Im Shuttle-Staat Florida sind bis zu 6400 Arbeitsplätze vom Ende des Programms bedroht - zusammen mit Familien und Freunden eine erkleckliche Zahl an Wählern, die den Ausschlag im heftig umkämpften Bundesstaat geben könnten. Obama und McCain wissen ganz genau: Schon einmal, vor acht Jahren, haben wenige Tausend Stimmen in Florida darüber entschieden, wer nächster Präsident wird.
(SZ vom 02.09.2008/mcs)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Bei einem Senkrechtstart geht der Schub ja bereits in die richtige Richtung, wird also optimal genutzt. Ich glaube das Shuttle wiegt so um die 2000 Tonnen, bei einer horizontalen Startvorrichtung müsste das Shuttle ja irgendwo den Auftrieb hernehmen um diesen Koloss nach oben zu befördern. Dies wäre denkbar, durch eine Vergrößerung der Tragflächen oder eine Erhöhung des Schubes, der ja in diesem Falle nicht mehr optimal (senkrecht) genutzt werden könnte. Beides hört sich für mich nach technischen Schwierigkeiten an. Ich gehe übrigens davon aus, daß sich die Ingenieure des Shuttles bereits gedanken zu der Thematik gemacht haben. Meiner Ansicht nach haben Sie eine der größten technischen Meisterleistungen überhaupt geschaffen....
Leider ist sowohl der Shuttle als auch der Orion ein Rückschritt. Der Shuttle weil er senkrecht startet und Feststoffraketen hat (fauler Kompromiß), der Orion weil er auch senkrecht startet und nicht wiederverwendbar ist. Sinvoll wäre die Neuentwicklung eines Raumschiffes, das wie ein Flugzeug startet (also auf der Startbahn horizontal beschleunigt und dann abhebt, so sind Startabbrüche überlebbar).
Armin Ulrich