US-Forscher beschreiben genaue Details der Anatomie und Lebensweise des ausgestorbenen Riesen-Reptils Sarcosuchus.

Ein Furcht erregendes "Superkrokodil" aus der Urzeit haben US-Forscher aus versteinerten Schädel- und Skelettknochen rekonstruiert.

Doppelt so lang wie die größten noch lebenden Krokodile: Sarcosuchus imperator (© M. W. Skrepnick)

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Erstmals kommen damit genaue Details von Anatomie, Lebensweise und Stammbaum des krokodilähnlichen Riesen- Reptils ans Licht, berichtet das US-Wissenschaftsjournal Science, das den Sarcosuchus imperator in seiner Online-Ausgabe Sciencexpress vom Donnerstag vorstellt.

Afrikanisches Kreidezeit-Reptil

Das afrikanische Kreidezeit-Reptil, das vor rund 110 Millionen Jahren in der Tenere-Wüste von Niger lebte, hatte demnach das Aussehen eines Krokodils. Allerdings besaß es einen Leib von der Länge eines Busses und mit seinen acht Tonnen das Gewicht eines kleinen Wals.

Leisten- und Nilkrokodile, die größten noch lebenden Vertreter der Krokodil-Familie erreichen dagegen eine Körperlänge von lediglich sechs bis sieben Meter.

Dem US-Forscher Paul Sereno und Kollegen von der Universität Chicago zufolge ist Sarcosuchus mit anderen krokodilähnlichen Ur-Reptilien verwandt, hatte aber vermutlich andere Lebens- und Fressgewohnheiten.

Aus seinem Überbiss und den kräftigen, weich abgerundeten Zähnen schließen die Forscher, dass der Sarcosuchus anders als seine Fisch fressenden "Vettern" Pholidosaurus und Terminonaris auch Fleisch zu sich nahm, vielleicht in Form kleiner Dinosaurier.

ein langlebiger Riese

Der Sarcosuchus war vom Kopf bis zur rund zwölf Meter entfernten Schwanzmitte durch einen dicken Knochenpanzer geschützt. Die Wachstumsringe der einzelnen Knochenplatten verraten den Paläontologen noch eine andere Eigenart des "Superkrokodils": Es brauchte 50 bis 60 Jahre, um seine volle Größe zu erreichen. Das deute auf eine überraschende Langlebigkeit, kommentiert Sereno.

Der Kopf des Sarcosuchus war fast nur Maul. Es machte 75 Prozent der gesamten Schädellänge aus. Außerdem war es verhältnismäßig breit - verglichen mit den spitzen Schnauzen des Gharial-Krokodils (Gavialis gangeticus), das im heutigen Indien lebt, und anderen Urzeit-Reptilien wie Pholidosaurus und Terminonaris.

Fossilien dieser beiden "Vettern" von Sarcosuchus hatten Paläontologen im Meeresablagerungen entdeckt. Das krokodilähnliche Ur-Reptil dagegen lebte im Flussbett, rund 150 Kilometer von der Küste des heutigen Niger entfernt.

Mysteriöse "Bulla"

Ungeklärt ist noch die Funktion der "Bulla", eines knollenförmigen Knochenwuchses am äußeren Ende des Mauls. Da sowohl die männlichen wie auch die weiblichen Reptilien mit einer Bulla vergleichbarer Größe ausgestattet waren, handelt es sich nach Meinung des Chicagoer Teams nicht um ein Geschlechtssymbol.

Möglich dagegen wäre, was manche Reptilienforscher vorschlagen: die Bulla könnte den Riesen mit ihren steifen Nacken geholfen haben, Gerüche besser wahrzunehmen und deren Richtung genauer zu bestimmen.

Außerdem diente sie ihnen vielleicht auch zum Ausstoß von Lauten. Da Krokodile zu den "gesprächigsten" Reptilien gehörten, könne die Bulla sowohl der Lautgebung als auch der Geruchsbestimmung gedient haben, glaubt Sereno.

(sueddeutsche.de/dpa)

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