Unwetter in Deutschland Stürmische Zeiten

Mecklenburg-Vorpommern 2015: Windhose nahe Bützow

(Foto: dpa)

Starkregen, Hochwasser und ein Tornado über Hamburg: Extreme Wetterphänomene sind häufig, auch in Deutschland. Doch ist die jüngste Serie noch normal?

Von Marlene Weiss

Es sei unglaublich, dass niemand verletzt wurde, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Dienstagabend, als das Schlimmste vorbei war. Da hatte der Tornado im Nordosten Hamburgs gerade innerhalb kürzester Zeit Dutzende Alleebäume umgeknickt, Dächer abgedeckt, Satelliten-Antennen ausgerupft wie Grashalme. Zurück blieb eine Schneise der Verwüstung.

Und bei vielen das unbehagliche Gefühl, dass mit dem Wetter etwas nicht mehr stimmt: erst die plötzlichen Überschwemmungen in Süddeutschland, und nun dieser Wahnsinn. Das kann doch nicht normal sein.

20 bis 60 Windhosen im Bundesgebiet pro Jahr

Aber "normal" ist ein Wort, das sich schlecht mit dem Wetter verträgt, zu dem eben auch Extreme gehören - normal oder nicht normal kann nur die Häufigkeit sein, in der sie auftreten. Tornados hat es immer gegeben, nicht nur in den USA, wo sie in manchen Regionen fast zum Alltag gehören. Oder in Großbritannien, wo es zwar eher schwache, aber dafür pro Fläche weltweit die meisten Tornados gibt.

In Deutschland werden laut Deutschem Wetterdienst im Jahr etwa zehn heftige und insgesamt 20 bis 60 Windhosen gezählt, wobei es durchaus einige mehr geben könnte, die nicht registriert werden. Damit ist es kein häufiges Phänomen, aber auch nicht ganz ungewöhnlich.

Nur haben Tornados statistisch gesehen geringe Chancen, ausgerechnet auf eine Großstadt zu treffen, wo die Aufmerksamkeit und der angerichtete Schaden weit größer sind als auf einem Kartoffelacker. Hamburg, das erst vor zehn Jahren von einem Tornado getroffen wurde, hat besonderes Pech gehabt.

Aufräumen nach dem Tornado

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Ein Tornado kann auf zwei Arten entstehen: entweder unter einer Schauerwolke, wenn dort Winde unterschiedlicher Richtung aufeinandertreffen. Solche sogenannten Typ-II-Tornados sind meist eher kurzlebig und vergleichsweise schwach.

Gefährlicher wird es, wenn als weitere Zutat eine Superzelle ins Spiel kommt: eine rotierende Gewitterwolke, die schon ganz allein verheerenden Starkregen oder Hagelstürme produzieren kann. Bei bis zu zehn Prozent dieser Superzellen kommen die übrigen Wind- und Wetterverhältnisse so zusammen, dass sich am unteren Rand der Wolke ein rotierender Windrüssel bildet, der bis auf den Boden reichen kann - ein Tornado.

"Man weiß noch nicht ganz genau, warum das manchmal passiert und manchmal nicht", sagt Andreas Friedrich, Tornado-Experte beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Darum sind auch Vorhersagen schwierig. Der DWD hatte zwar am Dienstagvormittag für Schleswig-Holstein und Hamburg eine Tornadowarnung ausgegeben.