Von Markus C. Schulte von Drach

Manche Wespen wissen ganz genau, welchen Artgenossen sie in der Vergangenheit bereits begegnet sind. Die Tiere identifizieren sich anhand ihrer Gesichter.

Feldwespen der Art Polistes fuscatus haben nicht nur unterschiedliche Gesichter - sie können sich über ihre Farbmarkierungen am Kopf auch gegenseitig identifizieren. Wie US-Wissenschaftler jetzt berichten, erkennen sie Artgenossen selbst nach einer Woche wieder.

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Würden Sie diese Tiere nach einer Woche am Gesicht wiedererkennen? (© Foto: Elizabeth Tibbetts/University of Michigan)

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Im Gegensatz zu früheren Annahmen nutzen die Tiere dazu nicht nur Duftstoffe, sogenannte Pheromone, sondern auch das Äußere des Gegenübers.

Das hatte Elizabeth Tibbetts von der Cornell University in Ithaca, New York,bereits vor einigen Jahren festgestellt, indem sie die Markierungen der Tiere verändert und damit Kämpfe zwischen eigentlich vertrauten Wespen ausgelöst hatte.

Nun hat die Wissenschaftlerin, die inzwischen an der University of Michigan in Ann Arbor arbeitet, beobachtet, dass die Tiere trotz ihres winzigen Gehirns in der Lage sind, sich an einmal gesehene Artgenossen zu erinnern. Und zwar selbst dann, wenn sie in der Zwischenzeit mit etlichen anderen Feldwespen zu tun hatte.

Tibbetts und ihr Kollege Michael Sheehan hatten 50 einzelne Wespenköniginnen für einen Tag mit einer fremden Königin zusammengesetzt. Die Tiere reagieren bei solchen Begegnungen normalerweise anfänglich aggressiv und gewöhnen sich schließlich aneinander. Dann wurden die Wespen in einen Gemeinschaftskäfig mit zehn anderen Weibchen untergebracht.

Eine Woche später setzten die Forscher die Paare erneut zusammen. Wie sie im Fachmagazin Current Biology (Bd. 18, 23. September 2008) berichten, reagierten die Wespen aufeinander wie alte Bekannte und ließen sich gegenseitig in Ruhe.

Um auszuschließen, dass die Tiere zu diesem Zeitpunkt einfach weniger aggressiv waren, wurden sie einen Tag vor und nach der Begegnung mit dem alten Partner mit einem ihnen bislang unbekannten Tier getestet. Wie erwartet wurden die fremden Wespen heftig bekämpft.

"Interessant ist, dass die Wespen nicht nur ein gutes Gedächtnis besitzen", erklärte Sheehan. Das weiß man von Insekten. So erinnern sich Bienen bekanntlich an ergiebige Nektarquellen und kehren dorthin zurück.

Die Wespen aber zeigen ein soziales Gedächtnis, betont der Forscher. "Sie erinnern sich offenbar an ihre Erfahrungen mit ganz bestimmten Individuen." Diese Fähigkeit ist für die Tiere vermutlich deshalb wichtig, weil sich Feldwespen häufig ein Nest teilen. Und es spart Energie, wenn man genau weiß, mit wem man sich bereits arrangiert hat.

Ein wichtiges Ergebnis ihrer Arbeit ist den Wissenschaftlern zufolge die Erkenntnis, dass offenbar bereits relativ einfache Nervensysteme in der Lage sind, komplexe soziale Fähigkeiten auszubilden.

Ein Video zur Studie hat das Fachmagazin New Scientist hier online gestellt.

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(sueddeutsche.de/gf)