Universität Düsseldorf Fälschungsvorwürfe gegen bekannten Stammzellforscher

Der Kardiologe Bodo-Eckehard Strauer hatte 2001 weltweit zum ersten Mal einen Herzinfarktpatienten mit Stammzellen aus dessen Knochenmark behandelt. Seine Arbeiten galten als Argument gegen die Forschung mit den ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen. Nun gibt es Hinweise auf Manipulationen der Studien.

Von Christina Berndt

Erstaunlich waren die Heilungserfolge bei herzkranken Patienten, die Forscher der Universitätsklinik Düsseldorf viele Jahre lang mit adulten Stammzellen erzielt haben wollen. Nun überprüfen Universität und Klinikum, ob die Ergebnisse womöglich zu schön waren, um wahr zu sein. Es lägen "Anhaltspunkte auf ein mögliches wissenschaftliches Fehlverhalten vor", bestätigte das Klinikum der Süddeutschen Zeitung. "Von außen" seien Hinweise auf mögliche Manipulationen der Stammzellstudien eingegangen, sagte eine Sprecherin. Mittlerweile seien intern Daten ermittelt worden, die Anlass gegeben hätten, "eine externe Expertenkommission zur weiteren Untersuchung des Sachverhaltes" zu beauftragen. Nähere Einzelheiten können zum jetzigen Zeitpunkt auf Grund des laufenden Untersuchungsverfahrens nicht mitgeteilt werden.

Im Zentrum der Untersuchung steht der Kardiologe Bodo-Eckehard Strauer, der im Februar 2009 emeritiert wurde. Auf Anfragen der SZ äußerte sich Strauer nicht zu den Anschuldigungen, Forschungsergebnisse gefälscht zu haben.

Der Kardiologe hatte im März 2001 weltweit zum ersten Mal einen Herzinfarktpatienten mit Stammzellen aus dessen eigenem Knochenmark behandelt. Die Zellen wurden dem Patienten direkt in die vom Infarkt betroffene Arterie gespritzt. Fünf Monate später teilte Strauer der Presse mit, dass seine Behandlung, die er ohne umfangreiche Tierversuche an dem Patienten erprobt hatte, erfolgreich gewesen sei. Bei dem 46-Jährigen habe sich "bereits zehn Wochen nach der Transplantation die Infarktgröße um fast ein Drittel verringert, auch die Herzleistung hat sich deutlich verbessert", sagte Strauer damals. Das beweise, dass es auch "ohne die ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen" gehe. Auch in den Folgejahren machte Strauer immer wieder mit spektakulären Einzelfallmeldungen auf sich aufmerksam.

Verwunderung unter Wissenschaftlern

Bald wurde der Professor von Gegnern der embryonalen Stammzellforschung in Politik und Kirche hofiert. Der Protestant aus Düsseldorf galt "als eine Art Geheimwaffe gegen die embryonale Stammzellforschung", wie die taz einmal schrieb. Er durfte dem Papst die Hand schütteln; und Julia Klöckner, heute CDU-Fraktionsvorsitzende in Rheinland-Pfalz, schrieb in der FAZ über ihn: "Professor Bodo Strauer, Kardiologe an der Düsseldorfer Uniklinik, ist eine Sensation gelungen: Ohne Transplantation, Operation und Schmerzen heilte er einen Herzinfarktpatienten, dessen Überlebenschancen gleich null waren."

In der Wissenschaft aber wunderte man sich über die steilen Thesen des Kardiologen. Denn wenn es einzelnen Patienten nach einer Behandlung besser geht, kann niemand seriöserweise sagen, dass dies mit der erhaltenen Therapie zu tun hat. Trotzdem prophezeite Strauer schon 2003 im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur: "Das Verfahren wird bald Standard sein." Eine Prophezeiung, die sich bis heute nicht erfüllte. Gerade erst laufen Studien, die den Wert der Therapie zehn Jahre nach den ersten Versuchen klären sollen.

Daran nimmt auch Strauer teil. Seit seiner Emeritierung arbeitet er im Projekt seines Kollegen Gustav Steinhoff an der Universität Rostock. Auch Steinhoff hat schon in der Frühzeit der Stammzellforschung, kurze Zeit nach Strauer, Versuche mit adulten Stammzellen an Patienten mit Herzinfarkt unternommen. "Ein Unterfangen", wie er inzwischen selbst sagt, "das keineswegs risikofrei war".

Seit 2009 läuft in Rostock eine Phase-III-Studie, die den Wert der adulten Stammzelltherapie beim Herzinfarkt klären soll. In Kürze beginnt auch eine europäische Studie an vielen Zentren, darunter der Universitätsklinik in Frankfurt am Main, mit insgesamt 3000 Teilnehmern.

International sind die Hoffnungen jedoch mittlerweile zusammengeschrumpft. Die Therapie kann die Leistung des Herzens geringfügig erhöhen. Dies geht aber nicht, wie ursprünglich gehofft, darauf zurück, dass die Stammzellen zu Herzmuskelzellen werden und dadurch das Herz regenerieren. Vielmehr scheinen die Zellen nur Faktoren zu produzieren, die im Nebeneffekt die Herzmuskelzellen unterstützen.