Unesco Eine schwierige Gratwanderung

"Dabei haben wir die Biodiversität stets im Blick", sagt Walter Kemkes, Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbands Bliesgau. Anstelle eintöniger Maisfelder wird ein ganzer Mix aus Energiepflanzen angebaut, darunter auch die Durchwachsene Silphie, ein mehrjähriger, bis zu zwei Meter hoher Korbblütler, der aus ökologischer Sicht viele Vorteile bietet.

Bei der Errichtung von Windrädern wiederum spielen auch Aspekte des Vogelschutzes eine Rolle. In der Region ist der Rotmilan verbreitet, der besonders oft an Windenergieanlagen tödlich verunglückt. "Denkbar ist, die Anlagen während der Brutzeit abzuschalten", sagt Kemkes. Ein anderer geförderter Ansatz sind kleine Windgeneratoren, die mit ihren zehn Meter hohen Masten den Vögeln nichts anhaben können, mit einer Jahresleistung von 1000 Kilowattstunden aber den Strombedarf eines Vier-Personen-Haushalts bereits zu einem Viertel decken können.

Im Wendland, rund um Gorleben, sind erneuerbare Energien schon lange ein Thema. Seit zehn Jahren gehört die Region zum Biosphärenreservat "Niedersächsische Elbtalaue" und verfolgt einen umweltverträglichen Ausbau der regenerativen Energien. In den vergangenen Jahren wurde eine Vielzahl von Biogasanlagen errichtet. Der damit verbundene intensivierte Maisanbau liefert zwar einen hohen Energieertrag, aber der Artenreichtum geht dadurch zurück.

Johannes Prüter, Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung, nennt ein Gegenrezept: "Wir haben gute Erfahrungen mit Blühstreifen um die Maisfelder gemacht. Die sind etwa zwölf Meter breit, dienen den Vögeln als Brut- und Nahrungsraum und helfen mit, die Artenvielfalt zu erhalten." Bei "Biogas-Stammtischen" werden die Handlungsempfehlungen weitergegeben, außerdem hat die Reservatsverwaltung einen Leitfaden für Landwirte erarbeitet, der ökologisch verträgliche Anbau- und Erntevarianten aufzeigt.

Harmonie zwischen Mensch und Natur ist aber mitunter eine schwierige Gratwanderung. Prominentes Beispiel ist das Biosphärenreservat Yasuni in Ecuador. Inmitten des Amazonasbeckens, in einem Regenwald mit höchster Biodiversität, wurden riesige Ölvorkommen entdeckt. Anstatt diese auszubeuten, hat die Regierung beschlossen, das Öl nicht zu fördern und den Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten sowie zweier Stämme von Ureinwohnern unangetastet zu lassen.

Zur Kompensation wurde nach langen Verhandlungen mit der internationalen Gemeinschaft ein Treuhandfonds eingerichtet, wie Jorge Jurado, der Botschafter Ecuadors in Deutschland, in Radebeul berichtete. Allerdings ist bei weitem noch nicht so viel Geld in die Kassen geflossen, wie die Regierung Ecuadors gehofft hat. Es sollen 3,6 Milliarden Dollar werden, das entspricht der Hälfte der entgangenen Einnahmen aus den Ölverkauf.

Auf der Tagung in Radebeul verabschiedeten die Konferenzteilnehmer eine Erklärung zu Biosphärenreservaten und Klimawandel, die darauf drängt, die weltweit laufenden Klimaschutzmaßnahmen mit dem dringend notwendigen Schutz der biologischen Vielfalt in Einklang zu bringen. Die in den Biosphärenreservaten entwickelten Modelle sollten verstärkt auf Regionen außerhalb der Schutzgebiete übertragen werden. Dafür braucht das Programm mehr Unterstützung durch die Politik.

"Es gibt Biosphärenreservate mit überzeugenden praktischen Erfahrungen weltweit", sagte Natarajan Ishwaran, bei der Unesco verantwortlich für das MAB-Programm. "Von diesem Wissen sollten auch andere Regionen profitieren."