Von Patrick Illinger

"Viele natürliche Systeme auf allen Kontinenten und in einigen Ozeanen sind von regionalen Klimaänderungen betroffen, insbesondere von Temperaturanstiegen", berichten Forscher des UN-Klimarates in einem bislang noch nicht veröffentlichten Bericht.

Der Klimawandel ist an vielen Orten der Erde längst sichtbar.

Klimawandel

Wassermangel in Pakistan. (© Foto: dpa)

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So lautet das wesentliche Fazit des zweiten Teils des Weltklimaberichts der UN, der im April veröffentlicht wird.

,,Viele natürliche Systeme auf allen Kontinenten und in einigen Ozeanen sind von regionalen Klimaänderungen betroffen, insbesondere von Temperaturanstiegen'', schreiben die am Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) beteiligten Forscher in dem Bericht, dessen aktuelle Fassung der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Vom Aufweichen der Permafrostböden bis zu veränderten Vogelzügen reicht das vom IPCC genannte Spektrum der in der Natur messbaren Vorgänge.

Die Forscher bezeichnen es als ,,sehr wahrscheinlich'', dass die meisten Veränderungen der vergangenen 30 Jahre auf menschliche Einflüsse zurückzuführen sind.

Für den zweiten Teil des IPCC-Berichts, der Anfang April in Brüssel noch mit Regierungsvertretern abgestimmt wird, wurden mehr als 29.000 wissenschftliche Messreihen ausgewertet. 85 Prozent aller Daten lassen auf eine wärmer werdende Umwelt schließen.

Wesentlicher Teil des Berichts ist ein alarmierender Blick in die Zukunft. So werden sich Niederschläge künftig in höhere Breitengrade verlagern. Entsprechend wird das Frischwasser in mittleren Breiten knapper, was die Getreideproduktion erschwert. Abhängig von der Region werde es zwar auch Gewinner des Klimawandels geben, doch weltweit gesehen bedeute die globale Erwärmung einen Nettoverlust für die Wirtschaft.

Sämtliche Kontinente betroffen

Der Wandel wird sämtliche Kontinente betreffen. Speziell der Süden Europas hat verstärkt mit Hitzewellen und Waldbränden zu rechnen. Nordeuropa hingegen wird von einem wärmeren Klima teilweise profitieren. Der Bericht prognostiziert dort mehr Produktivität in der Landwirtschaft sowie neue Chancen für Wasserkraftwerke.

Das Risiko für Fluten steige jedoch überall in Europa - in Form von Sturmfluten an den Küsten und plötzlicher Schneeschmelze in den Bergen. An den Küsten könnte sich die Zahl der durch Fluten gefährdeten Anwohner bis 2080 jährlich um 2,5 Millionen Menschen erhöhen.

Jeder sechste Bewohner der Erde lebt in einer Region, wo Gletscher und Schnee wichtige Wasserspeicher bilden - die aber dem IPCC-Bericht zufolge ,,sehr wahrscheinlich'' zunehmend schwinden.

Weltweit werden hunderte Millionen Menschen unmittelbar von Fluten bedroht sein. Betroffen sind besonders Anwohner niedrig gelegenener Flussdeltas in Asien, aber auch die Bewohner flacher Inselstaaten. Für unwahrscheinlich halten die Forscher Szenarien, wonach die nordatlantische Meeresströmung noch in diesem Jahrhundert abreißt.

Weil die natürlichen Ökosysteme in Zukunft überfordert werden, erwarten die IPCC-Forscher, dass die Landflächen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts mehr Kohlenstoff abgeben als sie aufnehmen.

Besonders betroffen sind die Tundra, Gebirge, das Mittelmeer und Mangrovenwälder sowie in den Ozeanen die Korallenriffe und Eiswelten. Sogar falls die globale Durchschnittstemperatur in den kommenden Jahrzehnen nur um 1,5 bis 2,5 Grad Celsius steigt, ist rund ein Viertel der weltweiten Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht.

Die Schätzungen über die Kosten des Klimawandels sind ungenau, gehen aber bis zu 400 Dollar pro ausgestoßene Tonne Kohlendioxid. Die IPCC-Forscher rufen dazu auf, nicht nur über Klimaschutz nachzudenken, sondern auch Anpassungsstrategien zu entwickeln.

Bessere Erkenntnisse seit 2001

Die beteiligten Forscher betonen, dass seit dem letzten IPCC-Bericht im Jahr 2001 deutlich mehr und bessere wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen worden seien. Der IPCC-Bericht dieses Jahres erscheint in drei Teilen.

Der erste, bereits veröffentlichte Teil beschrieb den physikalischen Zustand des Planeten, der zweite fasst die Auswirkungen des Wandels zusammen, und der dritte, im Mai erwartete Teil analysiert mögliche Auswege. Aufgabe des IPCC ist es nicht, selbst zu forschen, sondern den wissenschaftlichen Kenntnisstand zusammenzutragen.

Objektivität wird dadurch erreicht, dass drei Viertel der am ersten Teil des diesjährigen Berichts beteiligten Wissenschaftler nicht bereits Autoren des letzten Berichts aus dem Jahr 2001 waren.

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(SZ vom 3.3.2007)