UN-Klimakonferenz in Durban Temperatur der Atmosphäre bleibt auf Rekordniveau

2011 wird das zehntwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1850. Damit wurden in 13 der vergangenen 15 Jahren die höchsten Temperaturen in der modernen Klimageschichte gemessen. 2010 hat Pakistan am stärksten unter Wetterkatastrophen gelitten.

Während die Delegierten auf der UN-Klimakonferenz in Durban darüber diskutieren, wie sich die Erderwärmung bremsen lässt, hat die UN-Organisation für Meteorologie neue Daten veröffentlicht, die belegen, wie wichtig der Gipfel ist:

Überschwemmung in Pakistan. 2010 hat das Land weltweit am stärksten unter Wetterkatastrophen gelitten.

(Foto: AFP)

Demnach wird Jahr 2011 voraussichtlich als zehntwärmstes Jahr in die moderne Klimageschichte eingehen. Zugleich sind die Temperaturen die höchsten in einem Jahr mit einem sogenannten La Niña-Effekt. Bei diesem Wetterphänomen steigt vor der Küste Perus kaltes Wasser auf, was eine relativ kühlende Wirkung auf das Klima hat.

Auffällig ist auch, dass die 13 wärmsten Jahre seit Beginn der modernen Klimaerfassung im Jahre 1850 alle in den vergangenen 15 Jahren lagen. Das heißt, die Erdatmosphäre hat sich in dieser Zeit so stark erwärmt wie nie zuvor. Der absolute Temperaturrekord war 2010 gemessen worden.

Dazu kommt, dass das Ausmaß des antarktischen Eises 2011 am zweitniedrigsten in der jüngeren Geschichte gewesen sei - gemessen am Volumen habe das Eis allerdings einen Minusrekord erreicht, heißt es in dem am Rande der UN-Klimakonferenz veröffentlichten Report.

Im vergangenen Jahrzehnt lag die durchschnittliche Temperatur weltweit um 0,46 Grad Celsius höher als im langfristigen Mittel. Die Daten zeigten, "dass sich das Weltklima erwärmt und dass diese Erwärmung auf menschliches Handeln zurückzuführen ist", erklärte WMO-Chef Michel Jarraud. "Die Erkenntnisse sind eindeutig und zeigen unbestreitbar, dass die Welt wärmer wird und dass diese Erwärmung vom Menschen verursacht wird", fügte der stellvertretende WMO-Generalsekretär Jerry Lengoasa hinzu.

Mit der weiteren Klimaerwärmung sei mit immer mehr Stürmen, Dürren und Sturmfluten zu rechnen, heißt es in dem Bericht. Zuletzt hätten sich Wetterphänomene, die sonst auf bestimmte Regionen beschränkt gewesen seien, überraschend in anderen Gebieten ausgebreitet.

2010 war Pakistan das am stärksten von Wetterkatastrophen geschundene Land. Es folgen Guatemala und Kolumbien, wie aus dem jetzt veröffentlichten Klima-Risiko-Index der Organisation Germanwatch hervorgeht. Der Index basiert maßgeblich auf Daten des Rückversicherers Munich Re und bezieht unter anderem die Zahl der Toten pro 100.000 Einwohner und den wirtschaftlichen Schaden ein.

Auf dem vierten Platz folgt Russland wegen der Hitzewelle 2010, die 55.000 Tote verursacht haben soll. Sie war nach einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Folge der Erderwärmung. China, der weltgrößte Kohlendioxid-Emittent, liegt wegen Überschwemmungen und anderer Extremwetter-Ereignisse auf Platz neun. Deutschland landete auf Platz 46.

Von Überschwemmungen waren vor allem Pakistan, Kolumbien und der Wüstenstaat Oman (Platz sechs) betroffen. In Pakistan kämpften 84 der 121 Distrikte mit dem Wasser, mehr als 1700 Menschen starben. Guatemala und Honduras (Platz fünf) liegen wegen Hurrikan-Schäden auf den vorderen Rängen.

Bild von der Verwundbarkeit der Staaten

Insgesamt starben dem Bericht zufolge in den vergangenen 20 Jahren mehr als 710.000 Menschen an den direkten Folgen von 14.000 Wetterextremen. Den Langzeitindex (1991 bis 2010) der am stärksten betroffenen Länder führt erneut Bangladesch an, gefolgt von Birma und Honduras.

"Wenngleich die Auswertungen über die Schäden und Todesopfer keine Aussage darüber erlauben, welchen Einfluss der Klimawandel bereits bei diesen Ereignissen hatte, so lässt sich doch ein Bild der Verwundbarkeit der Staaten zeichnen", schreibt Germanwatch. Die Welt sei nun in einer Phase, wo weitere Klimaveränderungen das Ökosystem irreparabel schädigen würden.

Doch die Erwartungen an den Weltklimagipfel sind gedämpft: Nach dem Scheitern in Kopenhagen 2009 und den kleinen Fortschritten im mexikanischen Cancun im vergangenen Jahr setzt die Europäische Union nun zumindest auf einen Fahrplan für ein Abkommen.

Die führenden Wirtschaftsnationen müssten sich auf eine Frist für ein solches weltweites Abkommen verständigen, fordert EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard. Dies könne dann etwa 2015 der Fall sein. Doch große Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien sind nur zur Teilnahme bereit, wenn sich auch Industrieländer wie die USA zur Reduzierung ihrer Emissionen verpflichten. In den USA und Kanada gibt es aber kaum Bereitschaft mitzuwirken.

Der Kyoto-Vertrag, der in erster Linie von den Europäern Reduzierungen verlangt, läuft im kommenden Jahr aus. Allerdings hat die EU bereits festgelegt, dass der Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden muss. Sie würde über 30 Prozent verhandeln, wenn andere Länder wie die USA, China oder Indien ebenfalls Verpflichtungen eingingen, was allerdings nicht in Sicht ist.

Gerungen wird voraussichtlich um die Umsetzung von zugesagten Finanzhilfen der Industriestaaten an Entwicklungsländer, um sich an den Klimawandel anzupassen. Für den Zeitraum 2010 bis 2012 hat die EU 7,2 Milliarden Euro zugesagt. Laut Hedegaard sind davon bis jetzt 4,7 Milliarden Euro mobilisiert worden.

"Der Glaube an das unbegrenzte Wachstum der Wirtschaft und nationale Egoismen sind die Ursachen des absehbaren Scheiterns des Klimagipfels in Durban", sagte der Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), Hubert Weinzierl. Im Zweifelsfall bedeute die Wachstumsideologie mehr als die Verantwortung für die Menschheit, deren ärmster Teil bereits dem Klimawandel zum Opfer falle.

Artur Runge-Metzger, Chefunterhändler der EU-Kommission auf der UN-Klimakonferenz in Durban, mahnte, die Verhandlungen um ein neues Klimaschutzabkommen schnell voranzutreiben. In zwei bis fünf Jahren müssten substanzielle Fortschritte erreicht werden, sagte er im Deutschlandfunk.