Trotz aller Erkenntnisse zum Klimawandel: Vor allem im Straßen- und Flugverkehr nehmen die Emissionen wieder zu.
Der Ausstoß von Treibhausgasen nimmt trotz des Klimaschutzabkommens von Kyoto weltweit wieder zu.
(© SZ-Grafik, Quelle: UN)
Anzeige
Dies geht aus dem diesjährigen Klimabericht hervor, den das Klima-Rahmensekretariat der Vereinten Nationen (UNFCCC) am Montag in Bonn vorstellte.
Demnach haben die Industriestaaten nach einem deutlichen Rückgang in den neunziger Jahren seit 2000 wieder mehr Klimagase freigesetzt.
Wenige Tage vor der Klimakonferenz der UN in Nairobi forderte das Klimasekretariat daher erneut verstärkte Bemühungen zur Verminderung der umweltschädlichen Emissionen.
Insgesamt ist der Ausstoß an Kohlendioxid, Methan, FCKW-Ersatzstoffen und anderen Klimagasen zwischen 1990 und 2004 in den Industriestaaten zwar um 3,3 Prozent gesunken.
Doch dies ist ausschließlich auf den starken Abbau in den neunziger Jahren zurückzuführen, in denen 5,6 Prozent weniger Gase freigesetzt wurden.
Zwischen 2000 und 2004 ist der Ausstoß dagegen um 2,4 Prozent gestiegen, heißt es in dem Bericht, der erstmals offizielle Daten aus allen 41 Industrieländern enthält, die der UN-Klimarahmenkonvention angehören.
Wurden 2000 noch 14,5 Milliarden Tonnen Treibhausgase ausgestoßen, so waren es 2004 bereits 14,9 Milliarden Tonnen.
Besondere Sorgen bereitet den UN die Entwicklung im weltweiten Verkehrswesen, in dem der Ausstoß seit 1990 um 23,9 Prozent angestiegen ist, im Luftverkehr sogar um mehr als 50 Prozent.
"Beunruhigende Entwicklung"
"Hier brauchen wir dringend drastische Verringerungen, doch diese sind nur schwer zu erreichen", sagte der UNFCCC-Exekutivsekretär, der Niederländer Yvo de Boer. Immer weniger Treibhausgase werden dagegen in der Landwirtschaft und in der Industrieproduktion verursacht.
Von einer "beunruhigenden Entwicklung" sprach de Boer auch für die mittel- und osteuropäischen Länder. In ihnen waren die Emissionen nach dem Abbau der veralteten Industrieanlagen bis zum Jahr 2000 um 39,3 Prozent gesunken.
Im Zuge der beginnenden wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung sind sie seitdem jedoch um mehr als vier Prozent gestiegen. In den westlichen Industriestaaten verlangsamte sich der Anstieg dagegen; nach einem Plus von neun Prozent zwischen 1990 und 2000 stiegen die Emissionen zuletzt nur noch um zwei Prozent.
Mit Abstand der größte Verursacher von Treibhausgasen sind weiter die USA, die dem 1997 geschlossenen Kyoto-Protokoll nicht beigetreten sind; in den USA fielen 2004 fast 40 Prozent aller von den Industriestaaten freigesetzten Gase an.
In Deutschland ist der Ausstoß der umweltbelastenden Gase seit 2000 um weitere 0,7 Prozent und damit seit 1990 um insgesamt 17,2 Prozent zurückgegangen. Damit ist hierzulande das selbstgesteckte "Kyoto-Ziel", die Emissionen bis 2012 um 21 Prozent zu verringern, fast erreicht. Das Gleiche gilt auch für einige andere westliche Industriestaaten wie etwa Großbritannien, Frankreich oder Schweden.
Mit Blick auf die UN-Klimakonferenz in Nairobi vom 6. bis 14. November forderte de Boer von den Teilnehmerstaaten, sich zum einen auf verstärkte Anstrengungen zur Treibhausgas-Reduzierung bis zum Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012 zu verständigen. Zugleich müssten in Nairobi Verhandlungen für die Zeit danach auf den Weg gebracht werden. "Die Verhandlungen selbst müssen 2007 beginnen", sagte de Boer.
Als längerfristiges Ziel forderte de Boer einen drastischen Abbau der Emissionen zumindest in den Industriestaaten. "Bis zur Mitte des Jahrhunderts muss der Ausstoß um 60 bis 80 Prozent verringert werden", sagte der UNFCCC-Chef.
Zugleich wies de Boer darauf hin, dass in Schwellenländern wie China, Indien oder Südafrika der Ausstoß stark ansteigt. "Es wird nicht mehr lange dauern, bis diese Länder die Industrieländer erreicht haben", warnte de Boer.
(SZ vom 31.10.2006)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft