Umweltverschmutzung Mailands Luft macht malade

Die italienische Metropole steht für Mode, Fußball - und für die dreckigste Luft in Westeuropa. Darunter leiden vor allem die Kinder.

Von Markus C. Schulte von Drach

Die meisten Menschen assoziieren Mailand mit Mode und Fußball. Doch das ist nur die eine Seite der Metropole - die schöne. Denn die Stadt in Norditalien steht auch für die größte Luftverschmutzung in Westeuropa.

In ganz Europa nimmt sie nach Angaben der OECD auf der Liste der am stärksten verschmutzten Städte Platz zwei hinter Moskau ein. Und obwohl die Behörden sich inzwischen bemühen, die Abgase in der Stadt zu reduzieren, sind die Folgen für die Gesundheit der Bürger gravierend.

Besonders die Kinder leiden unter dem Feinstaub, warnen Mailänder Mediziner. Die Ärzte um Alessandro Fiocchi vom Macedonio-Melloni-Krankenhaus hatten jeweils kurz vor und nach der Einführung der Maut über einen Zeitraum von zehn Tagen gezählt, wie viele Kinder mit Atemstörungen in die Notaufnahme kamen.

Dann überprüften sie einen möglichen Zusammenhang mit der Belastung der Luft durch Feinstaubpartikel einer Größe von maximal zehn Mikrometern, sogenannten PM10-Teilchen. Gerade diese Partikel, die vor allem von Autos ausgestoßen werden, gelten als Ursache von Lungen- und Herzproblemen und können vermutlich Krebs auslösen.

Wie Fiocchi und sein Team auf einem Ärztekongress in Mailand berichteten, wurden bei einer Belastung der Luft mit PM10 von 110 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft 401 Kinder in die Ambulanz eingeliefert. Bei einer Konzentration von 67 Mikrogramm waren es mit 176 Fällen immerhin 56 Prozent weniger.

Doch zum einen liegt die Belastung noch immer deutlich über den EU-Grenzwerten. Zum anderen haben frühere Studien gezeigt, dass die Sterblichkeit unter Säuglingen durch Atemwegserkrankungen offenbar schon bei einer Zunahme von zehn Mikrogramm um 22 Prozent steigt (European Journal of Epidemiology, Bd. 20, S. 183, 2005).

"Die Luft in Mailand ist schädlich", klagte Fiocchi, "und ausgerechnet die Kinder sind am schwersten betroffen."

Wie der britische Telegraph berichtete, wurde der EU-Grenzwert seit der Einführung des "Ecopass" bereits an 36 Tagen überschritten. Zu einer der höchsten bislang gemessenen Belastungen kam es am 15. Februar mit 185 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das ist fast das Vierfache der von der EU vorgeschriebenen Tageshöchstbelastung von 50 Mikrogramm, die jährlich nicht häufiger als 35 Mal überschritten werden darf.

Mailand mag zwar die Stadt Westeuropas mit der größten Luftverschmutzung sein - doch auch in manchen deutschen Städten ist die Belastung mit Feinstaub groß. So wurde nach Angaben des Umweltbundesamts allein in München der Tagesgrenzwert an der Messstation Landshuter Allee dieses Jahr schon an 26 Tagen überschritten. Und wir haben erst März.