Herz-Kreislauf-Erkankungen Bepflanzte Brachen senken den Puls

Schon vor einigen Jahren haben Anwohner eine Brache in Miami, Florida, in einen Garten verwandelt.

(Foto: AFP)
  • Ärzte der University of Pennsylvania haben untersucht, wie sich hässliche Baulücken auf den menschlichen Körper auswirken.
  • Wer beim Spazieren durch sein Viertel an gepflegtem Grün vorbeikommt, hat einen niedrigeren Puls, als der, der vermüllte Brachflächen passiert.
Von Werner Bartens

"Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens" hat der wunderbare Max Goldt geschrieben und damit vielen Scheußlichkeiten des Alltags ein Denkmal gesetzt. Bestickte Jeans, überdimensionierte Pfeffermühlen oder die farbig gehaltene Klorand-Umpuschelung - Goldt hat dem Grauen einen Namen gegeben. Manchen Zumutungen kann man sich allerdings nicht entziehen, sie schmerzen schon beim Hinsehen und können auf Dauer krank machen.

Vor diesem Hintergrund muss man die Studie von Eugenia South und ihren Kollegen im American Journal of Public Health (online) verstehen. Die Ärzte der University of Pennsylvania haben untersucht, wie sich hässliche Baulücken auf Herz und Kreislauf auswirken - und ob Bepflanzungen etwas daran ändern. In sozial ähnlich strukturierten Stadtvierteln von Philadelphia untersuchten die Wissenschaftler Anwohner, die bei einer Runde um ihr Haus entweder an verödet-vermülltem Brachland vorbeikamen oder unbebaute Flächen und ungenützte Grundstücke sahen, die vom Gartenamt oder den Eigentümern bepflanzt worden waren. Auf dem im Durchschnitt nur etwa 600 Meter langen Weg schlug der Puls im Mittel 15-mal pro Minute weniger oft, wenn die Teilnehmer an gepflegtem Grün vorbeikamen.

"Wird die städtische Verwahrlosung und Vermüllung bekämpft, sinkt auch das Stressniveau der Anwohner"

Ein niedrigerer Puls geht mit geringerem Blutdruck und einem verminderten Risiko für Infarkt und Schlaganfall einher, auch wenn weitere Messungen notwendig sind, um die Gesundheitsgefahr zu bestimmen. Zudem ist der Puls ein verlässlicher Indikator für die Stressreaktion und zeigt an, ob man sich in seiner Umgebung wohl und behaglich oder befremdet fühlt. "Vermutlich gibt es einen Zusammenhang: Wird die städtische Verwahrlosung und Vermüllung bekämpft, sinkt auch das Stressniveau der Anwohner", sagt Eugenia South. "Wenn die Stadt und die Eigentümer aufpassen, dass die Grundstücke nicht mit Unkraut überwuchert werden und verdrecken, ist das ein einfacher Beitrag zum Wohlbefinden."

Es sind oft die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen. Aus früheren Studien ist beispielsweise bekannt, dass sich Patienten, die im Krankenhaus aus dem Fenster in einen Park sehen, schneller von einer Operation erholen als jene, die auf den Parkplatz schauen. Die Blickrichtung zu verändern hilft, aber manchmal muss einfach das Gartenamt ran. Es gelingt ja nicht immer, seitlich am Grauen vorbeizukommen.