Der Untergang der Deepwater Horizon hat gezeigt: Die fossil befeuerte Ökonomie arbeitet auf ihren eigenen Untergang hin, als gäbe es keine Alternative. Das ist eine Verspottung menschlicher Intelligenz.
Wenn es dem Körper zu bunt wird, dann wehrt er sich. Dann wird der Mensch krank. Überlebt er die Krankheit, bleibt ihm eine ungute Gewissheit: Wie bisher sollte er nicht weiterleben, es ist auf Dauer zu riskant. Der Volksmund nennt das einen "Warnschuss".
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Das Öl im Golf von Mexiko reflektiert das Sonnenlicht und lässt sich deshalb auf diesem Satellitenbild deutlich erkennen. (© afp)
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So ähnlich verhält es sich mit Deepwater Horizon, dieser gekenterten Bohrplattform und der wohl größten menschengemachten Umweltkatastrophe der Geschichte. Ingenieure sind immer mutiger geworden auf der Suche nach Erdöl, sie haben tief gebohrt und sind maximale Risiken eingegangen. Jetzt präsentiert die Natur die Rechnung, Medien transportieren sie in die Welt: Es sind Bilder verendeter Tiere ebenso wie jene verzweifelter Experten. Es sind Ölwolken aus 1500 Metern Tiefe, die alles Leben ersticken. Dieser Warnschuss richtet sich nicht allein an die waghalsigen Ingenieure des big oil oder die Verantwortlichen bei dem Konzern BP. Er geht die gesamte industrialisierte Welt etwas an.
Es soll bloß keiner sagen, er hätte es nicht geahnt. Die Ausbeutung fossiler Ressourcen ist Grundlage eines ganzen Wachstumsmodells. Seit 200 Jahren betreiben Feuer und Dampf Maschinen und Motoren. Sie sind Ausgangspunkt des materiellen Wohlstands und seine Basis bis heute. Und gleichzeitig sind sie seine Beschränkung. Strebt eine wachsende Weltbevölkerung nach diesem Wohlstand, gerät sie zwangsläufig an Grenzen. In den Jahren vor der Finanzkrise spiegelte sich die Erwartung dieser Grenzen in steigenden Ölpreisen - allerdings mit einer bizarren Konsequenz: Der hohe Ölpreis förderte weniger ein fundamentales Umdenken als den technischen Fortschritt. Plötzlich rechnete sich selbst die Förderung unter schwierigsten Bedingungen, und sei es 1500 Meter unter dem Meeresspiegel. Mit Bohrleitungen, die in der Tiefe abknicken und noch entlegenste Lagerstätten ausschlürfen. Die Welt brauchte Energie, koste es, was es wolle. Und sei es die Zukunft.
Jetzt nur auf den Mineralölkonzern BP einzuprügeln, ist billig. Deepwater Horizon ist das Ergebnis unser aller Gier, und die versunkene Bohrinsel ist ein Symbol - für zukunftsvergessenes Wirtschaften. Nicht anders verfahren Energiekonzerne im Rheinland oder in der Lausitz, die ganze Landstriche umgraben, damit die Braunkohle Kraftwerke befeuert, und dies noch dazu mit bescheidener Effizienz. Weil sie damit seit Jahrmillionen gebundene Kohlenstoffe freisetzen, lassen sie die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid erforschen. Industrie soll gutmachen, was Industrie verbrochen hat, nur so kann alles weitergehen wie gewohnt. Nicht anders läuft es in Atomkraftwerken überall auf der Welt. Jahr für Jahr türmen sie an die 10000 Tonnen hochradioaktiven Müll auf. Nur gibt es weltweit noch kein einziges Endlager dafür, geschweige denn irgendwelche Erfahrungen, wie sich dieser Müll über Jahrtausende hinweg sicher von der Außenwelt abschirmen lässt. Die Lichter brennen, die Autos rollen, alles andere wird sich später schon klären: nach uns die Ölpest.
Mit Leidenschaft in die Krise
So gesehen bekräftigen die Bilder aus Louisiana nur eine Gewissheit, der Ökonomie und Politik bisher wenig bis nichts entgegenzusetzen haben: Es geht weiter, was eigentlich nicht weitergehen darf. Die Ökonomie versagt, weil sich eine einmal etablierte Struktur desto einfacher behaupten kann, je kapitalintensiver sie ist. Wer mag schon einen ganzen Kraftwerkspark austauschen? Oder ein Tankstellennetz? Deshalb fallen Investitionen in die bestehende Infrastruktur den Unternehmen meist leichter als solche in neue, fremde Technologien. Auch Banken lieben das Bewährte.
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Demonstrationen in Hamburg
Spätestens jetzt, bei dieser Umweltkatastrophe im Golf von Mexico wird wird es immer transparenter, daß die bisherige Meinung über die fossile Herkunft von Rohöl falsch ist.
Wie könnte eine fossile Röhölblase in dieser Tiefe einen derartigen Druck entwickeln und alle Abdichtungsversuche scheitern lassen? Wie könnte Rohöl aus dieser Tiefe fast kochend aus dem Bohrloch emporschießen? Wo kommen diese Mengen von Rohöl her, welche sich bis jetzt in den Golf ergossen haben. Und wo kommen diese riesigen Röhölmengen her, welche sich allein im Golf von Mexico unter dem Meeresboden befinden? Alleine fossile Ablagerungen können dies nicht erklären.
Sehr viel wahrscheinlicher ist hier die Annahme von vielen Wissenschaftlern, daß Rohöl - und auch Erdgas - in den tiefen Erdschichten durch chemische Reaktionnen von Kohlenwasserstoffen mit anderen Gesteinsarten unter dem hohen Druck der Tiefe und den sehr hohen Temperaturen gebildet werden. Da diese Ressourcen auf underer Erde in unendlicher Menge vorhanden sind, ist davon auszugehen, daß Erdgas und Rohöl in unerschöpflicher Menge für alle Zukunft vorhanden sind.
Im Fall der Ölkatastrophe im Golf von Mexico ist es denkbar, daß das Ölleck für viele Jahre (oder auch für immer) sprudeln könnte, wenn es nicht gelänge das Ölleck abzudichten.