Umweltgipfel in Rio Merkel kapituliert von vornherein

In knapp zwei Wochen kommen in Rio de Janeiro Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zusammen. 20 Jahre nach dem legendären Erd-Gipfel wollen sie noch einmal das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit diskutieren. Eine aber wird voraussichtlich fehlen: Angela Merkel blies ihre eigentlich geplante Reise kürzlich ab, mangels Erfolgsaussicht. Das könnte sich als großer Fehler erweisen.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Was ihren Einsatz für den globalen Umweltschutz angeht, kommt an Angela Merkel im Kreis der Staatenlenker so schnell keiner heran. Schon als Umweltministerin half sie, den Weg zum Kyoto-Protokoll zu ebnen. Als Kanzlerin, beim G-8-Gipfel in Heiligendamm, rang sie den Mächtigsten unter den Mächtigen ein bis dahin ungehörtes Bekenntnis zum Klimaschutz ab. Eine UN-Konferenz zum Artenschutz in Bonn beflügelte sie mit großzügigen Finanzzusagen, die bisher sogar eingehalten werden. Und jetzt?

In knapp zwei Wochen kommen in Rio de Janeiro Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zusammen. 20 Jahre nach dem legendären Erd-Gipfel wollen sie am selben Ort noch einmal das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit diskutieren. Eine aber wird voraussichtlich fehlen: Angela Merkel blies ihre eigentlich geplante Reise kürzlich ab, mangels Erfolgsaussicht. Die Vorbereitungen des Gipfels, befand die Kanzlerin, sprächen nicht für nennenswerte Fortschritte. Dass sie selbst fernbleibt, spricht allerdings auch nicht gerade dafür.

Damit nicht genug, könnte Merkel abermals einer Fehleinschätzung unterliegen. Auch beim jüngsten Klimagipfel in Südafrika gab sie den Verhandlungen schon keine große Chance mehr, da hatten sie noch gar nicht begonnen. Am Ende aber entstand eine nie gewesene Phalanx aus Europäern, Afrikanern und kleinen Inselstaaten, die selbst das sperrige China zum Einlenken brachte. Heute gilt die Konferenz als Erfolg.

Beim Rio-Gipfel ist es ähnlich: Lange liefen die vorbereitenden Gespräche zäh. Zuletzt hat sich zumindest Bewegung abgezeichnet. Die Bildung einer eigenen UN-Umweltorganisation, für die auch Merkel seit Langem eintritt, scheint nicht mehr völlig ausgeschlossen. Auch könnten die Staaten ein Bekenntnis abgeben zu einem Wachstum, das mit der Umwelt in Einklang steht, zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsform - vielleicht sogar mit festen Zielvorgaben. Aushandeln müssen das am Ende die Staats- und Regierungschefs. Noch ist etwas drin.

Deshalb muss Angela Merkel nach Rio kommen, gerade sie. Und das nicht nur ihres politischen Gewichts wegen: Sie repräsentiert das einzige Industrieland der Erde, das sich dem Umbau der so wichtigen Energiewirtschaft verschrieben hat. Sie wäre damit auch die glaubwürdigste Vertreterin der These, dass sich Wirtschaft und Umwelt sehr wohl vereinbaren lassen, wenn man es klug genug anstellt. Merkel könnte damit in Rio jenen Impuls liefern, dessen Abwesenheit sie bisher befürchtet.

Mag sein, dass der Schock von Kopenhagen auch bei der Kanzlerin nachwirkt. 2009 reiste sie, wie viele andere Staatschefs auch, voller Hoffnung zum Klimagipfel und schwer enttäuscht wieder heim. Heimkehr mit leeren Händen - das kann auch in Rio passieren. Konferenzen der Vereinten Nationen sind ein mühsames, oft frustrierendes Geschäft. Den Erfolg aber gar nicht erst zu suchen, würde Merkels Ruf in der Welt nicht gerecht.

Der menschliche Fußabdruck

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