Umweltgifte Kohlekraftwerke stoßen tonnenweise giftiges Quecksilber aus

Kohlekraftwerke sind für den Großteil der Quecksilber-Emissionen in Deutschland verantwortlich.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
  • Deutschland ist bei der Quecksilberbelastung neben Polen und Griechenland Spitzenreiter.
  • Einen Großteil des Quecksilbers stoßen Kohlekraftwerke aus.
  • Mit moderner Filtertechnik ließen sich die Emissionen senken; Grünen-Politiker und Umweltschützer fordern strengere Grenzwerte.

Deutschlands Kohlekraftwerke stoßen jährlich rund sieben Tonnen giftiges Quecksilber aus. Laut einem Gutachten des Hamburger Instituts für Ökologie und Politik im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion ist Deutschland in der EU bei der Quecksilberbelastung Spitzenreiter neben Polen und Griechenland.

70 Prozent des Quecksilberausstoßes in Deutschland gehen der Studie zufolge auf Kohlekraftwerke zurück. Das Schadstoffregister Thru.de des Umweltbundesamts (UBA) verzeichnet ähnliche Werte, beziffert den Quecksilberausstoß von Kohlekraftwerken mit fünf Tonnen pro Jahr aber etwas niedriger. Daneben stießen Kraftwerke in Deutschland laut UBA im Jahr 2013 (das letzte Jahr, für das offizielle Daten vorliegen) 1200 Kilogramm Arsen, 1500 Kilogramm Blei und 700 Kilogramm Cadmium aus. Die Schwermetalle sind hochgiftig, Quecksilber kann bei Säuglingen und Kleinkindern zu Gehirnschäden führen. Zusätzlich kann der Stoff auch bei Erwachsenen krebserregend und nervenschädigend wirken. Moderne Filtertechnik sei in der Lage, rund 85 Prozent der Quecksilber-Emissionen großer Braun- und Steinkohlekraftwerke zu vermeiden, betonten die Hamburger Forscher.

Tatsächlich schwanken die Emissionen einzelner Kraftwerke stark. Während etwa das Vattenfall-Kraftwerk Lippendorf im sächsischen Böhlen mit 410 Kilogramm Quecksilber fast ein Zehntel der bundesweiten Emissionen aus Kohlekraftwerken ausstößt, liegen modernere Kraftwerke nur knapp über der Meldegrenze von 10 Kilogramm pro Jahr.

Ambitionierte USA, zögerliche EU

"Es ist technisch möglich, den Quecksilberausstoß von Kohlekraftwerken zu reduzieren, das muss endlich passieren. Alles andere ist gesundheits- und umweltpolitisch grob fahrlässig", sagte der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Der Politiker forderte die Bundesregierung auf, ähnlich strenge Emissionswerte wie in den USA einzuführen. "Wendet man die US-Grenzwerte in Deutschland an, würde kein Braunkohlekraftwerk weiter am Netz bleiben dürfen", sagte Krischer.

In Deutschland ist eine Grenzwertsenkung ab 2019 vorgesehen. Umweltschützer haben die Quecksilber-Emissionen der Kohlemeiler bereits wiederholt ins Visier genommen. Das Bundesumweltministerium wies die Kritik an den Grenzwerten zurück. "Deutschland hat sich bei der Neuregelung für niedrige EU-Grenzwerte eingesetzt, auch gegen die Vorbehalte unserer EU-Partner, die nicht alle bereit waren, die Quecksilber-Emissionen zu senken und zu überwachen", sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) der Zeitung Welt am Sonntag. Deutschland gehöre weltweit zu den wenigen Ländern, die schon seit längerer Zeit Quecksilbergrenzwerte haben.

Eine Forschergruppe im US-Bundesstaat Maryland konnte kürzlich im Fachblatt Environmental Science & Technology nachweisen, dass strengere Gesetze durchaus effektiv sind. Sowohl der Bundesstaat als auch die US-Umweltbehörde EPA hatten die Grenzwerte in den vergangenen Jahren herabgesetzt. Innerhalb von acht Jahren fiel die durchschnittliche Quecksilberkonzentration in der Umgebungsluft mehrerer Kraftwerke um bis zu 75 Prozent, berichten die Wissenschaftler.