In Mikroskopaufnahmen von Meteoriten will ein Nasa-Wissenschaftler Spuren außerirdischer Bakterien entdeckt haben. Die Raumfahrtbehörde hat sich nun von dem Befund distanziert - und es gibt Zweifel am Doktortitel des vermeintlichen Alien-Experten.
Die Nasa hat sich von der umstrittenen Veröffentlichung ihres Mitarbeiters Richard Hoover distanziert. Dies geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur AP hervor, auf den die Nasa auf ihrer Website verweist.
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In der aktuellen Online-Ausgabe des Journal of Cosmology beschreibt der Nasa-Wissenschaftler Richard Hoover Mikroskopaufnahmen von Meteoriten, in denen er Spuren fossiler Bakterien entdeckt haben will. (© REUTERS)
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In der aktuellen Online-Ausgabe des Journal of Cosmology beschreibt Hoover Mikroskopaufnahmen von Meteoriten, in denen er Spuren fossiler Bakterien entdeckt haben will. Hoover zufolge sollen die Fossilien aus dem All stammen. Schon direkt nach der Veröffentlichung am vergangenen Freitag hatten Astrobiologen starke Zweifel geäußert. Am Montag sagte Carl Pilcher, Direktor des Instituts für Astrobiologie der Nasa, der Nachrichtenagentur: "Es gibt niemanden in der wissenschaftlichen Gemeinde, der diese Schlussfolgerungen gestützt hat."
"Jeder kann sich Astrobiologe nennen"
Wie eine Reihe weiterer Astrobiologen bestreitet Pilcher die fachliche Kompetenz Hoovers, der am Marshall Space Flight Center der Nasa arbeitet: "Jeder kann sich Astrobiologe nennen. Das macht einen aber nicht zu einem." Auch die Nasa-Astrobiologin Lynn Rothschild schreibt in einem Blog, dass Hoover Ingenieur und kein Astrobiologe sei.
Die Mikrobiologin Rosie Redfield von der University of British Columbia kritisiert Hoovers Argumentation. Diese beruht darauf, dass die Abdrücke in den Meteoriten-Fragmenten Spuren ähneln, wie sie auch Bakterien hinterlassen. "Dieses Vorgehen ignoriert sämtliche Regeln der Biologie", sagt Redfield. Eine der wichtigsten Regeln in der Biologie laute, dass zwei Strukturen nicht identisch sein müssen, nur weil sie gleich aussehen.
Zusätzlich bestehen Zweifel, ob Hoover tatsächlich einen Doktortitel trägt, wie es der Autorenzeile in der Veröffentlichung zu entnehmen ist. Auf der Nasa-Website, auf der andere Mitarbeiter mit akademischem Grad vorgestellt werden, ist der umstrittene Forscher nur als "Mr. Richard B. Hoover" eingetragen.
Hoover hat bislang nicht auf Anfragen von AP oder der Süddeutschen Zeitung reagiert.
Der Chefredakteur des Journal of Cosmology, Rudy Schild, sagte der Nachrichtenagentur AP, vielleicht habe ein Mitarbeiter der Zeitschrift den Doktortitel versehentlich hinzugefügt. Schild hält die Kritik an Hoovers Studie für "legitim"; er stehe aber hinter den dort geäußerten Schlussfolgerungen. Die Studie sei von Wissenschaftlern begutachtet worden; deren Namen nannte der Chefredakteur aber nicht.
Schild habe eingeräumt, dass er die umstrittene Behauptung auch aus wirtschaftlichen Gründen veröffentlicht habe, berichtet AP. Das Journal, das seit eineinhalb Jahren besteht, müsse wahrscheinlich im Juni eingestellt werden. Die provokante Veröffentlichung sollte helfen, einen Investor zu finden, der das Journal übernehmen könnte.
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(SZ vom 09.03.2011/jobr)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
wäre wohl der treffendere Titel für den SZ-Artikel.
Im Editorial geht es gleich los: "Official Statement The Journal of Cosmology,
Have the Terrorists Won?"
Das Geschreibsel (anders kann man das Editorial nicht nennen) endet mit "JOC offered the scientific community a unique opportunity to debate an important paper, but for the most part they have declined.
The message is: Be afraid. Be very afraid. Or you will be destroyed.
Why is America in decline?
Maybe the terrorists have won."
In der Auseinandersetzung scheint es also weniger um Astrobiologie als um (klinische?) Psychologie zu gehen ...
Wer will, kann übrigens cosmology.com für nur 100.000 US$ erwerben.
Ja, auch in der Wissenschaft gibt es halbseriöses. Und einige NASA-Leute waren wohl naiv genug, darauf hereinzufallen.
PS.: So neu ist das mit den Mikroben nicht. Da gab es schon bei ALH 84001 intensive Diskussionen. Ausgangspunkt war der Artikel von McKay et al. in Science 1996, DOI: 10.1126/science.273.5277.924
PPS: Es gibt auch seriöse Spezial-Zeitschriften, die sich mit der Thematik befassen wie "Astrobiology" oder "Origins of Life and Evolution of Biospheres". Die sind nur nicht open access. Offensichtlich hatte Hoovers Artikel dort keinen Erfolg.
"Jeder kann sich Astrobiologe nennen. Das macht einen aber nicht zu einem." Auch die Nasa-Astrobiologin Lynn Rothschild schreibt in einem Blog, dass Hoover Ingenieur und kein Astrobiologe sei.
Als Astrobiologe OxnoxO kann ich dem nur beipflichten und ergänze, dass Frau Rothschild eigentlich nur Biologin ist - Molekular- und Zellbiologie. Ist aber gut zu wissen, dass sich jeder in den Stand erheben kann und man trotzdem damit leben muss, dass eben jene Selbsternannten andere diskreditieren.
Ich glaube zwar auch, dass die Arbeit von Hoover etwas daneben ist - aber hey: Er darf sich offenbar mit Fug und Recht "Astrobiloge" nennen :-) Für die Unseriosität des Titels und seiner Anmutung kann er daher nur begrenzt etwas.
- Voraussetzung: CSU-Parteibuch.