"Ulfberht"-Schwerter Wunderwaffen aus dem Kloster

Hochtechnologie aus dem zehnten Jahrhundert: Das in Hannover präsentierte Ulfberht-Schwert.

(Foto: Volker Minkus)

Sie sind die legendärsten Schwerter des Mittelalters: "Ulfberht"-Klingen waren so gefürchtet, dass die Frankenherrscher ihren Export verboten. Jetzt glauben Archäologen zu wissen, wer die Waffen schmiedete.

Von Thomas Brock

Ganz Europa schätzte die Superwaffe. Die Klingen der sogenannten Ulfberht-Schwerter zählten vor tausend Jahren zur Hochtechnologie der Rüstungsmanufakturen des fränkischen Reichs. Das Kampfgerät war stabil, besonders leicht und damit hocheffizient.

Die Klingen aus der Karolinger- und Ottonenzeit waren so gefürchtet, dass sie nicht außerhalb des fränkischen Reiches verkauft werden durften. Trotzdem sind inzwischen fast 170 Exemplare aus ganz Europa bekannt. Vor allem in Skandinavien werden die Schwerter immer wieder in Wikingergräbern entdeckt. Nur wer die Schöpfer der Ulfberht-Schwerter waren, das ließ sich bis heute nicht sicher sagen. Der Markenname der begehrten Klingen, der in unzähligen Variationen in das Eisen gehämmert wurde, stammte womöglich von einem genialen Schmied oder von einem Bischof.

Der Fund einer weiteren Ulfberht-Klinge in Niedersachsen könnte nun helfen, das Rätsel zu lüften. Am Dienstag präsentierten Wissenschaftler ein weitgehend erhaltenes, fast ein Meter langes Eisenschwert, das ein Bagger aus der Weser in Großenwieden in der Stadt Hessisch Oldendorf zutage gebracht hatte.

Eine "Blutrinne" machte das Schwert leichter

Dank der spezifischen Ulfberht-Inschrift lässt sich das Exemplar auf das zehnte Jahrhundert datieren. Wissenschaftler vom Institut für Anorganische Chemie und vom Institut für Mehrphasenprozesse an der Leibniz Universität Hannover sowie vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege konnten dem Stück zudem weitere bemerkenswerte Erkenntnisse abringen. So fand der Chemiker Robert Lehmann neue Hinweise auf die Herkunft der Waffen. Ihm zufolge stammt das Blei der Griffverzierung des nun präsentierten Schwertes aus Gestein im Rheinischen Schiefergebirge, genauer im Hintertaunus zwischen Rhein, Lahn und Wetterau.

Damit käme als Manufaktur das Kloster Fulda, vielleicht auch Lorsch in Betracht, da andere Klöster sich leichter an anderen Bleilagerstätten bedienen konnten. Dass grundsätzlich fränkische Bischofssitze oder Klöster als Ursprung infrage kommen, ließen bereits zuvor historische Analysen vermuten. Auf eine Werkstätte im klerikalen Umfeld wiesen die lateinischen Buchstaben in einer karolingischen Ausprägung sowie Kreuze in der Signatur hin. Das aktuelle Ulfberht-Schwert ist zudem das erste Exemplar, das computertomografisch untersucht wurde. Eine Blutrinne auf jeder Seite diente der Materialerleichterung. Die Klinge war an diesen Stellen nur drei Millimeter dick. Zudem stellten die Forscher fest, dass das Schwert aus der Weser komplett mit Knauf und Griff hergestellt worden war. Bislang war unklar, ob die Kunden für die Schwerter diese Teile separat bei einheimischen Handwerkern in Auftrag gegeben hatten.

Die Schwertklinge war aus hochwertigem, gehärtetem Eisen gefertigt, dessen Qualität fast modernem Stahl gleichkommt. Das Eisen der Parierstange dagegen ist etwas weicher. Die Schrift aus damasziertem Draht wurde in zuvor ausgehobene Vertiefungen gehämmert. Zudem haben die chemischen Analysen gezeigt, dass der Griff mit Blechen aus einer Zinn-Blei-Legierung und der Knauf zusätzlich mit zwei kreuzenden, stark gegerbten Lederbändern verziert war. Zudem präsentierten die Wissenschaftler den Fund eines Kupferbeiles. Das etwa 5500 Jahre alte Steinzeitwerkzeug ist der älteste Metallfund aus Niedersachsen.